Toleranzen & Oberflächengüte
Was bedeutet die Passung H7?
H7 ist ein Toleranzfeld für Bohrungen nach ISO 286. „H“ bedeutet, dass das untere Abmaß genau auf dem Nennmaß liegt, „7“ steht für den Toleranzgrad IT7. Eine Bohrung Ø20 H7 darf also 20,000 bis 20,021 mm messen, bei Ø10 H7 sind es 10,000 bis 10,015 mm.
So liest man H7
Ein ISO-Toleranzfeld besteht aus einem Buchstaben und einer Zahl. Der Buchstabe legt die Lage des Feldes zur Nulllinie fest, die Zahl den Toleranzgrad IT. Großbuchstaben stehen für Bohrungen, Kleinbuchstaben für Wellen. Bei H liegt das untere Abmaß immer auf null: Die Bohrung wird also nie kleiner als das Nennmaß, nur größer.
| Nennmaß | H7 oberes Abmaß |
|---|---|
| bis 3 mm | +0,010 mm |
| über 3 bis 6 mm | +0,012 mm |
| über 6 bis 10 mm | +0,015 mm |
| über 10 bis 18 mm | +0,018 mm |
| über 18 bis 30 mm | +0,021 mm |
| über 30 bis 50 mm | +0,025 mm |
| über 50 bis 80 mm | +0,030 mm |
| über 80 bis 120 mm | +0,035 mm |
Einheitsbohrung: welche Welle zu H7 passt
H7 ist die Standardbohrung im System der Einheitsbohrung. Die Art der Passung entsteht erst durch die gepaarte Welle:
- H7/g6 — Spielpassung mit kleinem Spiel, klassischer Gleitsitz für bewegte Teile.
- H7/h6 — Spielpassung mit Mindestspiel null; bei Ø20 mm ergibt sich 0 bis 0,034 mm Spiel. Typisch für Schiebesitze und Führungen.
- H7/k6 — Übergangspassung, je nach Istmaßen leichtes Spiel oder leichtes Übermaß. Für zentrierte, zusätzlich gesicherte Verbindungen.
- H7/n6 — fester Übergangssitz, nur mit Presse fügbar.
- H7/p6 — Übermaßpassung, Presssitz für kraftschlüssige Verbindungen.
Ein Bezugssystem konsequent zu nutzen spart Werkzeuge: Bohrungen bleiben H7, variiert wird die günstiger herzustellende Welle.
H7 in der Fertigung und Prüfung
H7-Bohrungen entstehen meist durch Vorbohren und anschließendes Reiben, Ausdrehen oder Zirkularfräsen. Reiben ist im Serienfall schnell, folgt aber der vorhandenen Bohrungsachse; Ausdrehen und Zirkularfräsen erlauben genauere Lage. Wichtig sind ein sauber ausgerichteter Werkstoff, ausreichende Kühlung und ein stabiler Spannzustand.
Gemessen wird mit Lehrdorn, Innenmessschraube oder Dreipunkt-Innenmessgerät, bei Serien häufig auf einem Koordinatenmessgerät. Toleranzangaben gelten nach Norm bei 20 °C — bei warmen Teilen direkt aus der Maschine liegen die Messwerte systematisch daneben. Und ein H7-Maß allein sagt nichts über Lage und Form: Position, Rundheit und Zylinderform müssen zusätzlich toleriert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- H bedeutet unteres Abmaß null — die Bohrung wird nie kleiner als das Nennmaß.
- Die 7 steht für den Toleranzgrad IT7; die Feldbreite wächst mit dem Nennmaß.
- Ø20 H7 heißt 20,000 bis 20,021 mm.
- Ob Spiel, Übergang oder Presssitz entsteht, entscheidet erst die gepaarte Welle.
Weitere Fragen dazu
Was ist der Unterschied zwischen H7 und h7?
Der Großbuchstabe H bezeichnet eine Bohrung, der Kleinbuchstabe h eine Welle. Bei H7 liegt das Toleranzfeld vollständig über dem Nennmaß, bei h7 vollständig darunter. Die Feldbreite IT7 ist in beiden Fällen gleich.
Braucht eine H7-Bohrung zwingend eine Reibahle?
Nein. Reiben ist der schnellste Weg in der Serie, aber Ausdrehen und Zirkularfräsen erreichen IT7 ebenfalls und liegen bei der Positionsgenauigkeit oft besser, weil sie nicht der vorhandenen Bohrungsachse folgen.
Welche Passung eignet sich für einen Wälzlagersitz?
Das hängt von Lasttyp und Lagerbauart ab und ist in den Herstellerunterlagen geregelt. Für Gehäusebohrungen bei Umfangslast am Innenring sind H7 oder J7 verbreitet; die verbindliche Empfehlung gibt immer der Lagerhersteller für den konkreten Anwendungsfall.
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