Defence & Verteidigungsindustrie
Welche Voraussetzungen gelten, um Auftragnehmer der Bundeswehr zu werden?
Formal genügt die vergaberechtliche Eignung: Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Gesetzestreue und Zuverlässigkeit, belegt durch die in der Ausschreibung geforderten Unterlagen, und keine Ausschlussgründe. Praktisch kommen ein NCAGE-Code, die Registrierung auf den Vergabeplattformen und je nach Auftrag AQAP-, DIN-2303- oder Geheimschutzanforderungen hinzu. Eine allgemeine Vorab-Zulassung als Bundeswehr-Lieferant gibt es nicht. Stand: Juli 2026.
Passende Leistungen
Die vergaberechtliche Eignung
Öffentliche Auftraggeber dürfen nur an geeignete Unternehmen vergeben. Geprüft werden Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Gesetzestreue und Zuverlässigkeit; zugleich darf kein Ausschlussgrund vorliegen. Welche Nachweise konkret verlangt werden, steht in den Vergabeunterlagen — typischerweise Eigenerklärungen, Referenzen vergleichbarer Leistungen, Angaben zu Umsatz und Personal sowie Bescheinigungen zu Steuern und Sozialabgaben.
Seit dem 1. Juli 2026 ist die Abfrage des Wettbewerbsregisters durch öffentliche Auftraggeber erst ab einem Auftragswert von 50.000 Euro vorgesehen. Stand: Juli 2026.
Zusätzliche Anforderungen je nach Auftragsgegenstand
Was über die Eignung hinaus verlangt wird, hängt vom Beschaffungsgegenstand ab:
- NCAGE-Code: die NATO-Kennung zur eindeutigen Identifikation, in Deutschland vom BAAINBw vergeben.
- Qualitätssicherung: bei waffensystembezogenen Lieferungen häufig AQAP-Forderungen im Vertrag, bei Luftfahrtbezug EN 9100.
- Schweißtechnik: Herstellerqualifikation nach DIN 2303, wenn an wehrtechnischen Produkten geschweißt, hartgelötet oder thermisch gespritzt wird.
- Geheimschutz: Sicherheitsbescheid und überprüftes Personal, sobald Verschlusssachen ab VS-VERTRAULICH betroffen sind; unterhalb davon gelten die Auflagen für VS-NfD.
- Exportkontrolle: geregelte interne Zuständigkeiten und korrekte Einstufung der Güter.
Was sich seit 2025 geändert hat
Für Bundeswehrbedarfe gelten seit dem 1. August 2025 abweichende Verwaltungsvorschriften des Bundesministeriums der Verteidigung: Liefer- und Dienstleistungen können abweichend von § 14 UVgO bis zum jeweils einschlägigen EU-Schwellenwert nach § 106 Absatz 2 GWB direkt beauftragt werden, Bauleistungen abweichend von § 3a Absatz 4 VOB/A bis 1.000.000 Euro ohne Umsatzsteuer. Die Regelung ist bis Ende 2035 befristet.
Hinzu kommt das Gesetz zur Beschleunigung von Beschaffungsmaßnahmen für die Bundeswehr, in Kraft seit dem 14. Februar 2026 und ebenfalls bis Ende 2035 befristet. Es enthält selbst keine Wertgrenzen, sondern Verfahrenserleichterungen; sein § 8 setzt den Losgrundsatz für Bundeswehrbedarfe aus. Davon unabhängig ist § 97a GWB nach § 147 Absatz 2 GWB bis Ende 2030 auf verteidigungs- und sicherheitsspezifische Aufträge nicht anzuwenden.
Das Vergabebeschleunigungsgesetz gilt seit dem 1. Juli 2026 und hebt die allgemeine Direktauftragsgrenze des Bundes auf 50.000 Euro netto an; für Startups bis vier Jahre nach Gründung gilt bei innovativen Leistungen eine Grenze von 100.000 Euro. Für Zulieferer heißt das: mehr direkte Ansprache, weniger automatisch veröffentlichte Lose. Stand: Juli 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt keine allgemeine Vorab-Zulassung — entscheidend ist die Eignung im konkreten Verfahren.
- NCAGE-Code und Plattform-Registrierung sind die formalen Einstiegsschritte.
- AQAP, DIN 2303 und Geheimschutz kommen nur bei entsprechendem Auftragsgegenstand hinzu.
- Für Bundeswehrbedarfe sind Direktaufträge seit August 2025 deutlich weiter möglich.
Weitere Fragen dazu
Wo beantragt ein Unternehmen den NCAGE-Code?
Der NCAGE-Code wird in Deutschland vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) als nationaler Kodifizierungsstelle vergeben. Er identifiziert den Betrieb in Beschaffungs- und Kodifizierungsdatenbanken; Änderungen an Anschrift oder Rechtsform müssen gemeldet werden.
Muss ein Zulieferer für die Bundeswehr AQAP-zertifiziert sein?
Nicht grundsätzlich. AQAP-Forderungen gelten, wenn sie im jeweiligen Vertrag vereinbart sind — typischerweise bei waffensystembezogenen Lieferungen. Für handelsübliche Güter und viele Zulieferteile genügt ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 mit den vertraglich definierten Prüfnachweisen.
Zählt der Preis allein oder auch Qualität und Sicherheit?
Der Zuschlag erfolgt auf das wirtschaftlichste Angebot. Neben dem Preis können Qualität, technischer Wert, Lieferzeit, Versorgungssicherheit und Folgekosten gewichtet werden. Die Gewichtung wird in den Vergabeunterlagen bekanntgegeben und ist für den Auftraggeber bindend.
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