Lohnfertigung, Anfrage & Anbieterwahl
Welche Zertifizierungen sollte ein Lohnfertiger haben?
Basis ist ISO 9001 als allgemeines Qualitätsmanagementsystem; im Einkauf gilt sie oft als Mindestanforderung. Branchenspezifisch kommen EN 9100 für Luftfahrt und Verteidigung, IATF 16949 für die Automobilindustrie, ISO 13485 für Medizinprodukte, EN 1090 für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile im Bauwesen und AQAP 2110 für NATO-Aufträge hinzu. Entscheidend ist, dass der Geltungsbereich zu Ihrem Bauteil passt.
Passende Leistungen
Die wichtigsten Normen im Überblick
| Norm | Bereich | Was sie regelt |
|---|---|---|
| ISO 9001 | branchenübergreifend | Grundlegendes Qualitätsmanagement: Prozesse, Verantwortlichkeiten, Dokumentenlenkung, Reklamations- und Verbesserungswesen |
| EN 9100 (AS9100, JISQ 9100) | Luft- und Raumfahrt, Verteidigung | Baut auf ISO 9001 auf und ergänzt Konfigurations- und Risikomanagement, Sonderprozesse, Erstmusterprüfung und Schutz vor Fälschungsteilen |
| IATF 16949 | Automobilindustrie | Wird gemeinsam mit ISO 9001 angewendet und fordert eine strukturierte Produktentstehung sowie eine Produkt- und Prozessfreigabe nach Kundenvorgabe — PPAP nach AIAG oder PPF nach VDA 2 |
| ISO 13485 | Medizinprodukte | Qualitätsmanagement mit Schwerpunkt auf Risikomanagement, Rückverfolgbarkeit, Sauberkeit und Dokumentation |
| EN 1090 mit werkseigener Produktionskontrolle | Bauwesen | Erforderlich, um tragende Stahl- und Aluminiumbauteile als Bauprodukte in Verkehr zu bringen; für Maschinen- und Anlagenbauteile gilt sie nicht |
| EN ISO 3834 | Schweißtechnik | Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen, gestuft in umfassende, standardmäßige und elementare Anforderungen |
| EN 15085 | Schienenfahrzeuge | Schweißen von Schienenfahrzeugen und deren Komponenten mit den Zertifizierungsstufen CL 1 bis CL 4 |
| AQAP 2110 | NATO und Verteidigung | NATO-Qualitätssicherungsforderungen zusätzlich zur ISO 9001, unter anderem Konfigurationsmanagement und behördliche Qualitätssicherung |
Welche Nachweise Sie wirklich brauchen
Nicht jeder Betrieb benötigt jede Norm. Für allgemeine Maschinenbauteile ist ISO 9001 in der Regel ausreichend; verlangt Ihre Branche mehr, entscheidet die passende Fachnorm. Für Luftfahrt- und Verteidigungsbauteile ist EN 9100 der Standard — zertifizierte Betriebe sind in der von der IAQG betriebenen Datenbank OASIS gelistet. AQAP 2110 wird in NATO- und Bundeswehrverträgen gefordert und ersetzt die ISO 9001 nicht, sondern ergänzt sie.
Neben den Qualitätsnormen gewinnen ISO/IEC 27001 für Informationssicherheit sowie ISO 14001 und ISO 45001 an Bedeutung, wenn Konstruktionsdaten besonders sensibel sind oder Nachhaltigkeitskriterien in die Lieferantenbewertung einfließen.
So prüfen Sie ein Zertifikat
- Geltungsbereich lesen: Entscheidend ist, welche Standorte und Tätigkeiten das Zertifikat abdeckt — ein Geltungsbereich für Handel deckt keine Fertigung ab.
- Gültigkeit prüfen: Zertifikate haben ein Ablaufdatum und setzen regelmäßige Überwachungsaudits voraus.
- Zertifizierungsstelle prüfen: Sie sollte akkreditiert sein, in Deutschland durch die DAkkS.
- Nachweise statt Logos: Lassen Sie sich das Zertifikat als Dokument geben, statt sich auf ein Logo auf der Website zu verlassen.
- Prozessqualifikationen ergänzen: Für Schweißen, Wärmebehandlung oder Oberflächen sind Verfahrens- und Personalqualifikationen oft wichtiger als ein weiteres Systemzertifikat.
Welche Nachweise Ihr Projekt verlangt, ergibt sich aus Vertrag und Branche; welche ein Betrieb tatsächlich führt, erfragen Sie direkt beim Fertigungspartner.
Das Wichtigste in Kürze
- ISO 9001 ist die Basis; die Branchennorm entscheidet über zusätzliche Anforderungen.
- EN 9100 gilt für Luftfahrt und Verteidigung, IATF 16949 für Automotive, ISO 13485 für Medizin.
- AQAP 2110 ergänzt ISO 9001 für NATO-Aufträge und ersetzt sie nicht.
- Immer den Geltungsbereich des Zertifikats prüfen, nicht nur den Normtitel.
Weitere Fragen dazu
Ist ein Zertifikat ein Qualitätsbeweis?
Es belegt ein geregeltes Managementsystem, nicht automatisch gute Bauteile. Aussagekräftig wird es zusammen mit Messtechnik, Prüfplanung, Reklamationsquote und Termintreue. Umgekehrt arbeiten auch kleinere Betriebe ohne Systemzertifikat nach dokumentierten Verfahren — entscheidend ist, was der konkrete Auftrag verlangt.
Braucht ein Zulieferer für Verteidigungsaufträge zwingend AQAP?
Nicht generell. Ob AQAP gefordert ist, legt der jeweilige Vertrag fest; in vielen Lieferketten genügt auf den unteren Ebenen ISO 9001 oder EN 9100, während die Forderung beim Hauptauftragnehmer liegt. Klären Sie die Anforderung vor der Angebotsabgabe mit Ihrem Auftraggeber.
Was ist der Unterschied zwischen Zertifizierung und Verfahrensqualifikation?
Eine Zertifizierung bestätigt ein Managementsystem für den Betrieb. Eine Verfahrensqualifikation bezieht sich auf einen konkreten Prozess — etwa eine Schweißanweisung mit zugehöriger Verfahrensprüfung oder die Prüfbescheinigung eines Schweißers. Für die Bauteilqualität sind beide relevant, sie ersetzen einander aber nicht.
Verwandte Fragen
Ihr Bauteil konkret kalkulieren
Sie haben eine Zeichnung oder ein 3D-Modell und brauchen eine belastbare Aussage zu Machbarkeit, Werkstoff und Termin? Schicken Sie uns Ihre Unterlagen — wir melden uns mit einer konkreten Einschätzung.