Oberflächentechnik & Beschichtung
Welche Xylan®-Beschichtungen gibt es — und welche ist die richtige?
Der Hersteller bietet mehrere XYLAN®-Serien mit unterschiedlichen Bindemitteln und Festschmierstoffen an: PTFE-haltige Typen für niedrigste Reibung, MoS₂-haltige für hohe Flächenpressungen, mehrschichtige Aufbauten für erhöhten Korrosionsschutz. Die richtige Wahl ergibt sich nicht aus der Produktnummer, sondern aus Temperaturfenster, Flächenpressung, gefordertem Reibwert, Korrosionsanforderung und der Schichtdicke, die das Bauteil verträgt.
Wo sich die Systeme unterscheiden
Die Serien unterscheiden sich weniger im Grundprinzip als in der Zusammensetzung. Diese Stellschrauben bestimmen das Verhalten im Einsatz:
| Merkmal | Wirkung und typische Wahl |
|---|---|
| Festschmierstoff PTFE | Niedrigster Reibwert, gute Antihaftwirkung; geeignet bei geringer bis mittlerer Flächenpressung |
| Festschmierstoff MoS₂ | Für hohe Flächenpressungen und langsame oder oszillierende Bewegungen |
| Bindemittelklasse | Bestimmt Temperaturgrenze, Härte und Chemikalienbeständigkeit — nicht das PTFE |
| Ein- oder Zweischichtaufbau | Primer plus Decklack bei erhöhter Korrosionsanforderung; Einschichtsysteme sind wirtschaftlicher |
| Wasser- oder lösemittelbasiert | Beeinflusst Emissionen, Verarbeitung und Trocknung im Beschichtungsbetrieb |
Fünf Fragen, die die Auswahl entscheiden
- Welche Dauer- und welche Spitzentemperatur? Die Grenze setzt in aller Regel das Bindemittel, nicht das eingelagerte Fluorpolymer.
- Wie hoch ist die Flächenpressung, wie schnell die Relativbewegung? Hohe Pressung bei langsamer Bewegung spricht für MoS₂-haltige Systeme.
- Ist ein Reibwertfenster gefordert? Bei Schraubverbindungen ist der Reibwert die eigentliche Funktionsgröße, nicht die Optik.
- Welche Korrosionsanforderung — geprüft nach welcher Norm, über wie viele Stunden, bewertet nach welchem Kriterium?
- Wie viel Schichtdicke verträgt die Passung? An Gewinden und Passflächen entscheidet das über Montierbarkeit und Maßhaltigkeit.
Erst wenn diese fünf Punkte feststehen, lässt sich sinnvoll über ein konkretes Produkt sprechen.
Vorbehandlung und Erstmusterfreigabe nicht unterschätzen
In der Praxis entscheidet die Vorbehandlung häufiger über Erfolg oder Misserfolg als die Produktwahl. Für das von MTB Metall angebotene System auf XYLAN®-Basis 1427/G5422 nennt das Datenblatt konkret: Entfetten, leichtes Strahlen auf eine Rauheit von Ra 1,5 bis 3,5 µm und — bei hohem Korrosionsschutzbedarf — zusätzlich eine Zinkphosphatierung.
Verbindlich sind immer die Angaben im Datenblatt des Beschichtungsherstellers. Für Serienteile empfiehlt sich eine Erstmusterprüfung mit gemessener Schichtdicke, Haftungsnachweis und — bei Verbindungselementen — gemessenem Reibwert an der tatsächlichen Paarung aus Schraube, Mutter und Auflagefläche.
Das Wichtigste in Kürze
- Nicht die Produktnummer entscheidet, sondern Temperatur, Flächenpressung, Reibwert, Korrosionsklasse und zulässige Schichtdicke.
- PTFE-haltige Systeme reiben am wenigsten, MoS₂-haltige tragen die höheren Flächenpressungen.
- Die Temperaturgrenze setzt fast immer das Bindemittel, nicht das Fluorpolymer.
- Vorbehandlung und Erstmusterfreigabe entscheiden in der Serie über die Reproduzierbarkeit.
Weitere Fragen dazu
Kann ein einziges System alle Anforderungen abdecken?
Selten. Niedrigste Reibung, maximale Verschleißfestigkeit und höchster Korrosionsschutz stehen teilweise im Zielkonflikt. Sinnvoll ist, die kritischste Anforderung zu priorisieren und die übrigen als Mindestwerte zu definieren.
Warum wird der Reibwert getrennt spezifiziert?
Weil er von der gesamten Paarung abhängt: Beschichtung, Gegenlauffläche, Oberflächenrauheit, Zusatzschmierung und Anziehverfahren. Ein Reibwert aus einem Datenblatt gilt nur für die dort geprüfte Kombination — für die eigene Verbindung ist eine Messung nach DIN EN ISO 16047 der belastbare Weg.
Was ist bei Aluminiumbauteilen zu beachten?
Aluminium erfordert eine eigene Vorbehandlung und verträgt keine beliebig hohen Einbrenntemperaturen, weil sich Festigkeitszustände verändern können. Deshalb ist bei Aluminium früh zu klären, welche Einbrennkurve das Bauteil zulässt.
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