Schweißen

Wann ist WIG-Schweißen die richtige Wahl — Vor- und Nachteile?

Kurz beantwortet

WIG-Schweißen ist die richtige Wahl, wenn Nahtqualität und Optik wichtiger sind als Geschwindigkeit: bei Edelstahl, Aluminium, dünnen Blechen, Wurzellagen an Rohren und sichtbaren Konstruktionen. Nachteile sind die geringe Abschmelzleistung, der hohe Zeitaufwand, die Empfindlichkeit gegen Zugluft und die hohe erforderliche Qualifikation des Schweißers.

Passende Leistungen

Was WIG technisch auszeichnet

Beim WIG-Schweißen (Prozess 141 nach DIN EN ISO 4063) brennt der Lichtbogen an einer Wolframelektrode, die nicht abschmilzt. Schutzgas ist reines Argon oder ein Argon-Helium-Gemisch. Entscheidend ist die Entkopplung von Stromstärke und Materialzufuhr: Der Schweißer stellt den Strom exakt auf Werkstoff und Wandstärke ein und gibt nur so viel Zusatzwerkstoff zu, wie die Fuge braucht. Mit Wechselstrom lässt sich zusätzlich die Oxidschicht von Aluminium aufbrechen.

Vorteile im Überblick

  • Höchste erreichbare Nahtqualität, nahezu spritzerfrei und ohne Schlacke.
  • Geringe, eng begrenzte Wärmeeinbringung — weniger Verzug und schmale Wärmeeinflusszone.
  • Sehr gute Kontrolle über das Schmelzbad, auch in Zwangslagen und an dünnen Blechen.
  • Saubere, gleichmäßige Optik — für Sichtnähte an Edelstahl praktisch alternativlos.
  • Für nahezu alle schmelzschweißgeeigneten Metalle einsetzbar, bei passgenauen Kanten auch ohne Zusatzwerkstoff als Umschmelznaht.

Grenzen und Nachteile

  • Niedrige Abschmelzleistung: Bei dicken Querschnitten und langen Nähten ist WIG deutlich unwirtschaftlicher als MIG/MAG.
  • Empfindlich gegen Zugluft, weil die Schutzgasabdeckung leicht weggeblasen wird — im Freien nur mit Windschutz sinnvoll.
  • Hoher Anspruch an Vorbereitung und Sauberkeit: Fett, Rost und Zunder führen unmittelbar zu Poren.
  • Verlangt erfahrene, geprüfte Schweißer; der Anlernaufwand ist deutlich höher als bei MAG.
  • Berührt die Wolframelektrode das Schmelzbad, entstehen Wolframeinschlüsse; ob sie zulässig sind, richtet sich nach der vereinbarten Bewertungsgruppe nach DIN EN ISO 5817 — größere Einschlüsse müssen ausgeschliffen und neu geschweißt werden.

Wann sich WIG rechnet — und wann nicht

Als Faustregel: WIG lohnt sich bei dünnen Wandstärken, korrosionsbeständigen Werkstoffen, Sichtnähten und überall dort, wo die Wurzel dicht und wurzelseitig sauber sein muss. Bei dickeren Bauteilen wird häufig kombiniert — Wurzellage WIG, Fülllagen MAG. Für lange Kehlnähte im Stahlbau ist MAG in aller Regel die wirtschaftlichere Wahl. Die Verfahrensauswahl gehört bereits in die Konstruktionsphase: Sie beeinflusst Nahtvorbereitung und Zugänglichkeit und damit die Fertigungskosten oft stärker als die reine Schweißzeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • WIG punktet mit Nahtqualität, geringem Verzug und Kontrolle — nicht mit Geschwindigkeit.
  • Strom und Zusatzwerkstoff sind entkoppelt; das erlaubt sehr feine Steuerung des Schmelzbads.
  • Zugluft, Verschmutzung und Wolframeinschlüsse sind die häufigsten Fehlerquellen beim WIG-Schweißen.
  • Bei dicken Bauteilen bewährt sich die Kombination: Wurzel WIG, Fülllagen MAG.

Weitere Fragen dazu

Braucht WIG-Schweißen immer einen Zusatzwerkstoff?

Nein. Bei dünnen Blechen und passgenauen Stoßkanten lässt sich ohne Zusatz umschmelzen, man spricht von einer Umschmelznaht. Sobald die Fuge gefüllt oder eine Nahtüberhöhung erzeugt werden muss, ist ein zum Grundwerkstoff passender Schweißstab erforderlich.

Warum wird beim WIG-Schweißen von Aluminium Wechselstrom verwendet?

Die Aluminiumoxidschicht schmilzt erst bei rund 2.050 °C, das Grundmaterial schon bei etwa 660 °C. In der positiven Halbwelle des Wechselstroms wird diese Oxidschicht aufgebrochen, in der negativen Halbwelle fließt die Wärme ins Bauteil. Stahl und Edelstahl werden dagegen mit Gleichstrom und negativ gepolter Elektrode geschweißt.

Wie unterscheidet sich WIG-Orbitalschweißen vom Handschweißen?

Beim Orbitalschweißen fährt der Brenner mechanisch um das Rohr; Strom, Geschwindigkeit und Drahtzufuhr sind programmiert. Das ergibt sehr gut reproduzierbare Rohrnähte, setzt aber gleichbleibende Rohrqualität, exakte Stoßvorbereitung und passende Spannvorrichtungen voraus.

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