Oberflächentechnik II: Eloxieren, Pulver, Galvanik

Verzinkt blau oder gelb — was bedeuten die Farben?

Kurz beantwortet

Die Farbe stammt nicht vom Zink, sondern von der Passivierung darüber. Blau passivierte Teile wirken silbrig-bläulich und haben den geringsten Zusatzschutz; gelb-irisierende Schichten wurden früher mit Chrom(VI) erzeugt und schützen deutlich besser. Wegen RoHS und ELV sind heute Chrom(III)-Systeme Standard — auch in Gelb.

Warum überhaupt passiviert wird

Frisch abgeschiedenes Zink ist chemisch aktiv und bildet unter Feuchtigkeit schnell Weißrost. Deshalb folgt auf das Verzinken fast immer eine Passivierung, früher meist Chromatierung genannt. Dabei entsteht eine extrem dünne Konversionsschicht, die den Zinkabtrag verzögert und je nach Verfahren farbig erscheint. Die Schichtdicken liegen im Bereich von etwa 0,01 bis gut einem Mikrometer und sind damit für Maße praktisch ohne Bedeutung.

Zusätzlich kann eine Versiegelung aufgebracht werden. Sie schließt Poren, erhöht die Beständigkeit deutlich und lässt sich zudem nutzen, um Reibwerte an Verbindungselementen einzustellen.

Die Farben und ihre Schutzwirkung

Ausführung Aussehen und Schutzwirkung
Transparent oder blau silbrig bis leicht bläulich, unauffällig; der Zusatzschutz ist vergleichsweise gering
Gelb, irisierend goldgelb schillernd; klassisch chrom(VI)-haltig mit sehr gutem Schutz, heute auch auf Chrom(III)-Basis
Oliv kräftiger olivgrüner Ton, traditionell mit dem höchsten Schutz verbunden
Schwarz dunkel mit erhaltenem Metallcharakter, mittlerer bis guter Schutz

Historisch galt die Faustregel: je kräftiger die Farbe, desto besser der Schutz. Das lag daran, dass dickere Chromatschichten mehr Chrom(VI) enthielten, das bei Verletzungen einen Selbstheilungseffekt bewirkte.

Was heute gilt

Chrom(VI)-haltige Verfahren sind in vielen Anwendungsbereichen nicht mehr zulässig, etwa durch die Vorgaben für Elektro- und Elektronikgeräte sowie für Fahrzeuge. Die Galvanikbetriebe arbeiten deshalb mit Chrom(III)-Passivierungen, die als Dickschichtpassivierung ebenfalls hohe Beständigkeiten erreichen und sowohl transparent-bläulich als auch gelblich-irisierend eingestellt werden können.

Für die Praxis heißt das: Die Farbe ist heute kein verlässlicher Hinweis mehr auf die Schutzwirkung. Sinnvoll ist deshalb, nicht „blau“ oder „gelb“ zu bestellen, sondern die technischen Anforderungen zu benennen — Schichtdicke, Art der Passivierung, Chrom(VI)-Freiheit, gegebenenfalls Versiegelung und eine geforderte Salzsprühbeständigkeit bis zum Auftreten von Weiß- beziehungsweise Rotrost. Diese Angaben lassen sich prüfen, ein Farbeindruck nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Farbe entsteht durch die Passivierung über dem Zink, nicht durch das Zink selbst.
  • Früher galt: kräftigere Farbe, mehr Chrom(VI), besserer Schutz mit Selbstheilungseffekt.
  • Heute sind Chrom(III)-Systeme Standard — die Farbe sagt wenig über die Schutzwirkung.
  • Statt Farbwunsch besser Schichtdicke, Passivierungsart und Salzsprühstunden festlegen.

Weitere Fragen dazu

Woran erkennt man, ob ein Teil chrom(VI)-frei passiviert wurde?

Optisch ist das nicht zuverlässig zu unterscheiden, weil auch Chrom(III)-Systeme gelb-irisierend eingestellt werden können. Nachgewiesen wird die Chrom(VI)-Freiheit über eine Bestätigung des Beschichters oder eine Materialanalyse. Bei Bauteilen mit Konformitätsanforderungen sollte dieser Nachweis Teil der Dokumentation sein.

Was ist eine Dickschichtpassivierung?

Dabei wird eine deutlich stärkere Konversionsschicht auf Chrom(III)-Basis erzeugt als bei der klassischen Blaupassivierung. Sie erreicht wesentlich höhere Beständigkeiten im Salzsprühtest und ersetzt in vielen Anwendungen die früheren Gelbchromatierungen. In Verbindung mit einer Versiegelung sind die Werte nochmals höher.

Beeinflusst die Passivierung das Anziehen von Schrauben?

Ja, Passivierung und Versiegelung verändern den Reibwert im Gewinde und unter dem Kopf. Da sich aus dem Anziehdrehmoment nur über den Reibwert eine Vorspannkraft ergibt, ist die Oberfläche montagetechnisch relevant. Für kritische Verbindungen werden deshalb Systeme mit definiertem Reibwertbereich gewählt.

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