Werkstoffe & Edelstahl

Was ist der Unterschied zwischen Stahl und Edelstahl?

Kurz beantwortet

Stahl ist der Oberbegriff für Eisenwerkstoffe mit geringem Kohlenstoffgehalt. Edelstahl bezeichnet nach EN 10020 einen Stahl mit besonders hohem Reinheitsgrad — er ist nicht zwangsläufig rostfrei. Umgangssprachlich meint Edelstahl fast immer nichtrostenden Stahl nach EN 10088 mit mindestens 10,5 % Chrom und höchstens 1,2 % Kohlenstoff.

Ein Begriff, zwei Bedeutungen

Die Verwirrung ist normbedingt. EN 10020 teilt Stähle in Hauptgüteklassen ein. Edelstähle sind darin Stähle mit besonderen Anforderungen an den Reinheitsgrad, etwa an sehr niedrige Schwefel- und Phosphorgehalte. Nichtrostende Stähle bilden eine eigene Klasse, definiert über mindestens 10,5 % Chrom und höchstens 1,2 % Kohlenstoff.

Ein Werkzeugstahl wie 1.2379 ist damit normgerecht ein Edelstahl — und rostet trotzdem. Was der Alltagssprachgebrauch meint, heißt korrekt „Edelstahl Rostfrei“ oder eben nichtrostender Stahl nach EN 10088. Auf Zeichnungen und in Anfragen sollte deshalb immer die Werkstoffnummer stehen, nicht das Wort Edelstahl.

Die Gruppen der nichtrostenden Stähle

Nichtrostende Stähle werden nach ihrem Gefüge eingeteilt. Vier Gruppen decken den Großteil der Praxis ab und verhalten sich in Festigkeit, Magnetismus, Korrosionsbeständigkeit und Verarbeitbarkeit deutlich verschieden:

  • Austenitisch (1.4301, 1.4404, 1.4571): die verbreitetste Gruppe, sehr zäh, gut umformbar und schweißbar, im geglühten Zustand praktisch unmagnetisch, nicht härtbar.
  • Ferritisch (1.4016): magnetisch, nickelfrei und damit günstiger und preisstabiler, weniger korrosionsbeständig, zerspant sich gutmütiger.
  • Martensitisch (1.4021, 1.4034): härtbar, für Messer, Wellen und Verschleißteile; die Korrosionsbeständigkeit ist geringer als bei austenitischen Sorten.
  • Duplex (1.4462): gemischtes Gefüge mit hoher Festigkeit und sehr guter Beständigkeit, dafür anspruchsvoller in der Verarbeitung.

Was sich im Alltag praktisch unterscheidet

Gegenüber unlegiertem Baustahl wie S235 oder S355 verhält sich austenitischer nichtrostender Stahl in fast jeder Hinsicht anders: Er rostet nicht, ist deutlich teurer, leitet Wärme nur etwa ein Drittel so gut, ist im geglühten Zustand praktisch unmagnetisch, dehnt sich stärker aus und lässt sich schwerer zerspanen.

Für die Beschaffung heißt das: Der Begriff Edelstahl allein reicht nie aus. Erst Werkstoffnummer, Erzeugnisform, Zustand und gegebenenfalls das geforderte Abnahmeprüfzeugnis machen eine Anfrage eindeutig. Wer nur „Edelstahl“ schreibt, bekommt im Zweifel 1.4301 — und stellt in salzhaltiger Umgebung nach einem Winter fest, dass 1.4404 die richtige Wahl gewesen wäre.

Das Wichtigste in Kürze

  • Normgerecht beschreibt Edelstahl nach EN 10020 den Reinheitsgrad, nicht die Rostfreiheit.
  • Nichtrostender Stahl nach EN 10088 braucht mindestens 10,5 % Chrom.
  • Austenitisch, ferritisch, martensitisch und Duplex verhalten sich deutlich unterschiedlich.
  • In Anfragen immer die Werkstoffnummer angeben, nie nur das Wort Edelstahl.

Weitere Fragen dazu

Ist verzinkter Stahl eine Alternative zu Edelstahl?

In vielen Außenanwendungen ja, allerdings mit anderem Schutzprinzip: Zink schützt als Opferanode und wird dabei verbraucht, die Schutzdauer ist also begrenzt. Nichtrostender Stahl schützt sich dagegen selbst und regeneriert seine Passivschicht. Das Verzinken selbst führen spezialisierte Fachbetriebe durch.

Warum ist nichtrostender Stahl teurer als Baustahl?

Wegen der Legierungselemente. Chrom, Nickel und Molybdän sind deutlich teurer als Eisen und unterliegen starken Preisschwankungen, die als Legierungszuschlag weitergegeben werden. Dazu kommt der höhere Aufwand bei Erschmelzung, Umformung und Zerspanung.

Kann man nichtrostenden Stahl härten?

Austenitische Sorten wie 1.4301 und 1.4404 nicht durch Wärmebehandlung; sie lassen sich nur durch Kaltverfestigung verfestigen. Martensitische Sorten wie 1.4021 sind dagegen härtbar. Das Härten selbst übernehmen spezialisierte Härtereien.

Ihr Bauteil konkret kalkulieren

Sie haben eine Zeichnung oder ein 3D-Modell und brauchen eine belastbare Aussage zu Machbarkeit, Werkstoff und Termin? Schicken Sie uns Ihre Unterlagen — wir melden uns mit einer konkreten Einschätzung.

E-Mail schreibenAnrufen: +49 8681 4792230