Werkstoffe & Edelstahl

Was ist der Unterschied zwischen 1.4301 und 1.4404 (V2A/V4A)?

Kurz beantwortet

1.4404 (V4A, AISI 316L) enthält 2 bis 2,5 % Molybdän und weniger Kohlenstoff als 1.4301 (V2A, AISI 304). Das Molybdän macht ihn deutlich beständiger gegen Chloride, also gegen Salzwasser, Streusalz und viele Chemikalien. Der PREN-Kennwert steigt dadurch von etwa 18 auf etwa 24 bis 26.

Zusammensetzung und Kennwerte

Merkmal 1.4301 (V2A) 1.4404 (V4A)
Kurzname X5CrNi18-10 X2CrNiMo17-12-2
AISI 304 316L
Chrom 17,5 bis 19,5 % 16,5 bis 18,5 %
Nickel 8,0 bis 10,5 % 10,0 bis 13,0 %
Molybdän nicht festgelegt 2,00 bis 2,50 %
Kohlenstoff höchstens 0,07 % höchstens 0,03 %
PREN (Richtwert) rund 18 rund 24 bis 26

Der PREN beschreibt die rechnerische Beständigkeit gegen Lochkorrosion und wird aus Chrom-, Molybdän- und Stickstoffgehalt gebildet. Je höher der Wert, desto mehr Chlorid verträgt der Werkstoff.

Was das Molybdän bewirkt

Beide Werkstoffe schützen sich über dieselbe dünne Passivschicht aus Chromoxid. Chloridionen können diese Schicht lokal durchbrechen — es entsteht Lochkorrosion, oft als winziger Punkt sichtbar, der in die Tiefe frisst. Molybdän stabilisiert die Passivschicht genau gegen diesen Angriff und hilft zusätzlich gegen Spaltkorrosion in engen Fugen und unter Ablagerungen.

Das L in 316L steht für den niedrigen Kohlenstoffgehalt unter 0,03 %. Er verhindert, dass sich beim Schweißen an den Korngrenzen Chromkarbide bilden und die Umgebung an Chrom verarmt. Geschweißte Bauteile aus 1.4404 sind dadurch unempfindlich gegen interkristalline Korrosion, ohne dass eine Wärmenachbehandlung nötig wäre.

Wann welcher Werkstoff

  • 1.4301 — Innenräume, trockene bis normal feuchte Umgebung, Lebensmittelkontakt ohne hohe Salzbelastung, Maschinenbau, Gestelle, Verkleidungen, sichtbare Bauteile.
  • 1.4404 — Küstennähe und Seeluft, Streusalz und Winterdienst, Chemie- und Pharmatechnik, Reinigungsprozesse mit Chloriden, geschweißte Bauteile mit Korrosionsanforderung.

Preislich liegt 1.4404 wegen Molybdän und höherem Nickelgehalt spürbar über 1.4301. Bei Zerspanung und Schweißen verhalten sich beide ähnlich: austenitisch, nicht härtbar, zäh und kaltverfestigend, im geglühten Zustand praktisch unmagnetisch. Auch die mechanischen Kennwerte liegen im geglühten Zustand eng beieinander — der technische Unterschied liegt vor allem in der Korrosionsbeständigkeit. Wer bei 1.4301 die Schweißeignung braucht, greift zur kohlenstoffarmen Variante 1.4307, die häufig als Doppelqualität 1.4301/1.4307 geliefert wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • EN 10088-3 legt für 1.4404 2 bis 2,5 % Molybdän fest; für 1.4301 ist kein Molybdän festgelegt.
  • Molybdän schützt vor Loch- und Spaltkorrosion durch Chloride.
  • Der PREN steigt von rund 18 auf rund 24 bis 26.
  • 1.4404 ist wegen des niedrigen Kohlenstoffs auch geschweißt korrosionssicher.

Weitere Fragen dazu

Woher kommen die Bezeichnungen V2A und V4A?

Es sind historische Werksbezeichnungen aus der frühen Entwicklung nichtrostender Stähle und stehen für Versuchsschmelzen austenitischer Zusammensetzung. Sie sind keine Normbezeichnungen: V2A steht heute umgangssprachlich für die 1.4301-Gruppe, V4A für die molybdänlegierte 1.4401/1.4404-Gruppe.

Was ist der Unterschied zwischen 1.4401 und 1.4404?

Die Legierung ist praktisch identisch, der Unterschied liegt im Kohlenstoff: 1.4401 darf bis 0,07 % enthalten, 1.4404 nur bis 0,03 %. Für geschweißte Bauteile ist deshalb 1.4404 die sichere Wahl. Im Handel dominiert 1.4404 heute deutlich.

Reicht 1.4404 für jede Umgebung mit Chlorid?

Nein. Bei hohen Chloridkonzentrationen, erhöhter Temperatur oder Schwimmbadatmosphäre stößt auch 1.4404 an Grenzen. Dann sind deutlich höher molybdänlegierte Sorten gefragt, etwa 1.4529, 1.4547 oder 1.4565. Für tragende Bauteile in Hallenbädern ist die Werkstoffwahl zusätzlich regelwerkgebunden und nicht frei wählbar.

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