Werkstoffe II: Titan, Kunststoffe, Stähle
Was kostet es, Teile aus Titan fräsen zu lassen?
Einen Listenpreis gibt es nicht. Titanteile liegen aber regelmäßig deutlich über vergleichbaren Teilen aus Aluminium oder Stahl, weil drei Kostenblöcke gleichzeitig steigen: Der Werkstoff kostet je Kilogramm ein Vielfaches von Baustahl, die niedrigen Schnittgeschwindigkeiten verlängern die Bearbeitungszeit, und der Werkzeugverschleiß ist hoch. Belastbar wird ein Preis erst mit Zeichnung, Sorte, Stückzahl und Toleranzen.
Passende Leistungen
Drei Kostenblöcke, die zusammen wirken
| Block | Warum er bei Titan höher ausfällt |
|---|---|
| Werkstoff | Titanhalbzeug kostet je Kilogramm ein Vielfaches von Baustahl und liegt auch klar über Edelstahl. Sorte, Abmessung und Verfügbarkeit streuen stark. |
| Bearbeitungszeit | Die zulässigen Schnittgeschwindigkeiten liegen weit unter denen von Aluminium; dieselbe Kontur braucht ein Vielfaches der Hauptzeit. |
| Werkzeuge | Hohe Schnitttemperatur und Diffusionsverschleiß verkürzen die Standzeit, der Werkzeuganteil je Bauteil steigt entsprechend. |
Weil alle drei Posten gemeinsam wirken, ist der Preisabstand zu einem Aluminiumteil größer als der reine Materialpreisunterschied vermuten lässt.
Was den Preis zusätzlich bewegt
- Zerspanungsvolumen: Das Verhältnis von Rohteil- zu Fertigteilgewicht ist der größte Hebel — jedes zerspante Kilogramm wurde vorher teuer eingekauft.
- Halbzeugform: Stange, Platte und Schmiedeteil unterscheiden sich in Preis, Lieferzeit und Bearbeitungsaufwand deutlich.
- Losgröße: Programmierung, Vorrichtung und Einfahren verteilen sich bei Serien auf viele Teile, beim Einzelstück nicht.
- Toleranzen und Oberfläche: Enge Toleranzen erzwingen zusätzliche Schlichtschnitte und mehr Messaufwand.
- Nachweise: Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204, Erstmusterprüfbericht oder Vollmessprotokoll verursachen realen Aufwand.
- Folgeprozesse: Anodisieren, Passivieren oder Wärmebehandlung werden von Fachbetrieben ausgeführt und kommen als eigene Position hinzu.
Wo sich am meisten sparen lässt
Der wirksamste Schritt ist die Werkstofffrage: Titan lohnt sich, wenn Gewicht, Korrosionsbeständigkeit oder Biokompatibilität gefordert sind. Geht es nur um Festigkeit, ist ein Vergütungsstahl fast immer wirtschaftlicher.
Bleibt es bei Titan, helfen konstruktive Entscheidungen mehr als jede Schnittwertoptimierung: ein endkonturnahes Rohteil, Innenradien groß genug für stabile Fräser, Wandstärken, die nicht federn, Toleranzen nur dort eng, wo die Funktion es verlangt, und gebündelte Stückzahlen statt vieler Einzelabrufe. Ein Fertiger, der vor der Zeichnungsfreigabe eingebunden wird, kann diese Punkte noch beeinflussen.
Auf der Erlösseite hilft wenig: Titanspäne haben zwar einen Schrottwert, müssen dafür aber sortenrein und frei von Fremdmetallen gesammelt werden. Vermischte Späne verlieren einen großen Teil ihres Werts.
Das Wichtigste in Kürze
- Material, Bearbeitungszeit und Werkzeugverschleiß steigen bei Titan gleichzeitig.
- Das Verhältnis von Rohteil zu Fertigteil ist der größte einzelne Kostenhebel.
- Enge Toleranzen und Prüfnachweise kosten real — nur fordern, wo die Funktion es verlangt.
- Ein belastbarer Preis entsteht erst mit Zeichnung, Sorte, Stückzahl und Terminwunsch.
Weitere Fragen dazu
Warum schwanken Titanpreise so stark?
Titanhalbzeug kommt aus einem vergleichsweise kleinen Markt mit wenigen Herstellern. Sorte, Abmessung, geforderte Zeugnisse und die aktuelle Verfügbarkeit wirken sich deshalb stark aus. Für eine belastbare Kalkulation wird das Material üblicherweise projektbezogen angefragt statt aus einer Preisliste übernommen.
Ist Titan immer teurer als Edelstahl?
Beim Werkstoffpreis je Kilogramm praktisch immer, beim Bauteilpreis fast immer. Die Rechnung kann sich über die Lebensdauer drehen, wenn die geringere Dichte Gewicht spart oder die Korrosionsbeständigkeit eine Beschichtung überflüssig macht. Für rein mechanisch belastete Teile bleibt Stahl die wirtschaftlichere Wahl.
Lohnt sich Titan auch bei Einzelteilen?
Das entscheidet die Funktion, nicht die Stückzahl. Wo Gewicht, Korrosionsbeständigkeit oder Verträglichkeit im medizinischen Umfeld gefordert sind, gibt es oft keine Alternative. Bei Einzelteilen fallen allerdings Programmier- und Einrichtkosten voll auf ein Bauteil, was den Stückpreis zusätzlich anhebt.
Verwandte Fragen
Ihr Bauteil konkret kalkulieren
Sie haben eine Zeichnung oder ein 3D-Modell und brauchen eine belastbare Aussage zu Machbarkeit, Werkstoff und Termin? Schicken Sie uns Ihre Unterlagen — wir melden uns mit einer konkreten Einschätzung.