Schweißen

Wie werden Schweißnähte zerstörungsfrei geprüft?

Kurz beantwortet

Zerstörungsfrei geprüft wird mit fünf Standardverfahren: Sichtprüfung (VT) an jeder Naht, Eindringprüfung (PT) und Magnetpulverprüfung (MT) für Oberflächenfehler, Ultraschallprüfung (UT) und Durchstrahlungsprüfung (RT) für innenliegende Fehler. Welche Verfahren und welcher Prüfumfang gefordert sind, richtet sich nach Regelwerk, Werkstoff und Bauteilrisiko — Grundlage ist DIN EN ISO 17635.

Passende Leistungen

Die fünf Standardverfahren

Kürzel Verfahren Findet Einschränkung
VT Sichtprüfung Nahtgeometrie, Einbrandkerben, offene Risse und Poren, Anlauffarben nur die Oberfläche
PT Eindringprüfung zur Oberfläche offene Risse und Poren nur offene Fehler; Bauteil muss sauber und trocken sein
MT Magnetpulverprüfung Oberflächen- und oberflächennahe Fehler nur ferromagnetische Werkstoffe — nicht bei austenitischem Edelstahl oder Aluminium
UT Ultraschallprüfung innenliegende Fehler, besonders flächige wie Bindefehler und Risse bei grobkörnigem austenitischem Gefüge erschwert
RT Durchstrahlungsprüfung innenliegende volumetrische Fehler wie Poren und Einschlüsse Strahlenschutz, Zugang von zwei Seiten; flächige Fehler quer zur Strahlrichtung schwer erkennbar

Welches Verfahren wofür — die Auswahllogik

Die Auswahl folgt einer klaren Logik: Jede Naht wird sichtgeprüft. VT ist die Basisprüfung und Voraussetzung für alles Weitere. Für Oberflächenfehler folgt danach MT bei magnetisierbaren Stählen und PT bei austenitischem Edelstahl, Aluminium und anderen nicht magnetisierbaren Werkstoffen. Für das Nahtvolumen wird zwischen UT und RT gewählt: UT ist stark bei flächigen Fehlern, mobil und ohne Strahlenschutzaufwand einsetzbar, RT liefert ein dokumentierendes Bild und zeigt Poren und Einschlüsse besonders zuverlässig.

Prüfumfang, Bewertung und Personal

Wie viel geprüft wird, gibt das anzuwendende Regelwerk vor — im Stahlbau etwa abhängig von der Ausführungsklasse, im Druckbehälter- und Rohrleitungsbau nach den dortigen Vorschriften. Die zulässigen Unregelmäßigkeiten sind in DIN EN ISO 5817 für Stahl, Nickel und Titan beziehungsweise DIN EN ISO 10042 für Aluminium in den Bewertungsgruppen B, C und D festgelegt; B ist dabei die strengste. Prüfpersonal wird nach DIN EN ISO 9712 qualifiziert und zertifiziert, üblicherweise in den Stufen 1 bis 3.

Grenzen der zerstörungsfreien Prüfung

Kein Verfahren findet alles. Die zerstörungsfreie Prüfung zeigt Unregelmäßigkeiten, sagt aber nichts über Festigkeit, Gefüge oder Eigenspannungen — dafür sind zerstörende Prüfungen an Probestücken nötig. Außerdem hängt die Aussagekraft stark von Zugänglichkeit, Oberflächenzustand und Qualifikation des Prüfers ab. Am wirksamsten ist deshalb nicht mehr Prüfung, sondern eine beherrschte Fertigung: qualifizierte Schweißanweisungen, geprüfte Schweißer und saubere Nahtvorbereitung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sichtprüfung ist Pflichtbasis; alle weiteren Verfahren bauen darauf auf.
  • MT nur bei ferromagnetischen Werkstoffen — bei Edelstahl und Aluminium stattdessen PT.
  • UT findet vor allem flächige Fehler, RT zeigt volumetrische Fehler wie Poren.
  • Bewertungsgruppen nach DIN EN ISO 5817 beziehungsweise ISO 10042 legen die Grenzwerte fest.

Weitere Fragen dazu

Was ist der Unterschied zwischen zerstörungsfreier und zerstörender Prüfung?

Die zerstörungsfreie Prüfung lässt das Bauteil unversehrt und kann an jedem Stück angewendet werden. Zerstörende Prüfungen wie Zugversuch, Biegeversuch, Kerbschlagbiegeversuch sowie Makro- und Mikroschliff erfolgen an Probestücken, etwa bei der Qualifizierung von Schweißverfahren nach DIN EN ISO 15614-1.

Ersetzt Ultraschall heute die Durchstrahlungsprüfung?

In vielen Anwendungen ja. Moderne Ultraschalltechniken wie Phased Array und TOFD liefern gut dokumentierbare Ergebnisse ohne Strahlenschutzaufwand und ohne Sperrbereich. Ob sie zulässig sind, entscheidet das jeweilige Regelwerk beziehungsweise die Vereinbarung zwischen Hersteller und Auftraggeber.

Wie wird eine Prüfung dokumentiert?

Üblich ist ein Prüfbericht mit Bauteil- und Nahtkennzeichnung, angewandtem Verfahren und Prüfanweisung, Geräteparametern, Befunden mit Lage und Größe, der Bewertungsgrundlage und dem Ergebnis. Dazu kommen der Qualifikationsnachweis des Prüfers und die Rückverfolgbarkeit zur Werkstoffcharge.

Ihr Bauteil konkret kalkulieren

Sie haben eine Zeichnung oder ein 3D-Modell und brauchen eine belastbare Aussage zu Machbarkeit, Werkstoff und Termin? Schicken Sie uns Ihre Unterlagen — wir melden uns mit einer konkreten Einschätzung.

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