Schweißerprüfungen, WPS & EN 1090
Kann ein Schweißer mit MAG-Qualifikation auch WIG schweißen?
Nein. Das Schweißverfahren ist nach DIN EN ISO 9606-1 eine wesentliche Kenngröße, und jede Prüfung qualifiziert grundsätzlich nur für das geprüfte Verfahren. MAG mit Massivdraht (135) deckt zusätzlich nur das MAG-Schweißen mit Metallpulver-Fülldraht (138) ab. Wer WIG (141) normkonform schweißen soll, braucht ein eigenes Prüfstück und ein eigenes Zeugnis.
Passende Leistungen
Der Geltungsbereich steht auf dem Zeugnis
Eine Schweißerprüfung qualifiziert nicht pauschal für das Schweißen, sondern für einen genau umrissenen Bereich. Wesentliche Kenngrößen sind das Schweißverfahren, die Produktform (Blech oder Rohr), die Nahtart (Stumpf- oder Kehlnaht), Gruppe und Art des Zusatzwerkstoffs, die Abmessungen (abgeschmolzene Dicke, Werkstoffdicke, Außendurchmesser), die Schweißposition und die Nahtmerkmale wie ein- oder beidseitiges Schweißen mit oder ohne Badsicherung. Muss außerhalb dieses Bereichs geschweißt werden, ist eine neue Prüfung fällig.
Welche Verfahrenswechsel die Norm zulässt
Jede Prüfung qualifiziert grundsätzlich nur für das geprüfte Verfahren. Die Norm nennt wenige Ausnahmen:
- 135 (MAG mit Massivdraht) und 138 (MAG mit Metallpulver-Fülldraht) decken sich gegenseitig ab.
- 121 und 125 (Unterpulverschweißen mit Massivdraht beziehungsweise Fülldrahtelektrode) decken sich gegenseitig ab.
- 141, 143 oder 145 (WIG mit Zusatz) qualifizieren für 141, 142, 143 und 145; eine Prüfung in 142 (WIG ohne Zusatz) gilt dagegen nur für 142.
- Eine Prüfung im Kurzlichtbogen (131, 135, 138) deckt die übrigen Lichtbogenarten ab, nicht umgekehrt.
- Schweißen mit Zusatzwerkstoff deckt das Schweißen ohne Zusatz ab, nicht umgekehrt.
Ein Wechsel von MAG zu WIG steht nicht auf dieser Liste — dafür braucht es ein eigenes Prüfstück.
Was ein Zeugnis außerdem begrenzt
Die Nahtart ist strikt getrennt: Eine Stumpfnahtprüfung deckt keine Kehlnähte ab und umgekehrt; nur über ein ergänzendes Kehlnaht-Prüfstück lässt sich beides verbinden. Bei der Produktform deckt ein Rohrprüfstück über 25 mm Außendurchmesser auch Bleche ab, während eine Blechprüfung feste Rohre erst ab 500 mm Außendurchmesser einschließt (drehende Rohre ab 75 mm in den Positionen PA, PB, PC und PD). Für Abmessungen gelten Bereiche: Ein Prüfstück mit 10 mm abgeschmolzener Dicke deckt 3 bis 20 mm ab, ein Rohrprüfstück über 25 mm Außendurchmesser reicht ab dem halben Prüfdurchmesser (mindestens 25 mm) aufwärts. Die Prüfposition bestimmt, welche weiteren Positionen erfasst sind — Zwangslagen decken einfachere Lagen in der Regel mit ab, umgekehrt gilt das nicht.
So liest man die Kurzbezeichnung
Der Geltungsbereich steckt in der Bezeichnung, zum Beispiel ISO 9606-1 135 P BW FM1 S s10 PA ss nb: Verfahren 135 (MAG), Blech (P), Stumpfnaht (BW), Zusatzwerkstoffgruppe FM1 (unlegierte und Feinkornstähle), Massivdraht (S), 10 mm abgeschmolzene Dicke, Position PA, einseitig geschweißt (ss) ohne Badsicherung (nb). Wer den tatsächlichen Fertigungsbedarf danebenlegt, sieht sofort, welche Prüfstücke noch fehlen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Schweißverfahren ist eine wesentliche Kenngröße — ein MAG-Zeugnis deckt WIG nicht ab.
- Erlaubt sind nur wenige Wechsel, etwa 135 zu 138 oder 141 zu 143.
- Eine Stumpfnahtprüfung deckt keine Kehlnaht ab; dafür gibt es das ergänzende Kehlnaht-Prüfstück.
- Ein Rohrprüfstück über 25 mm Außendurchmesser schließt Blechnähte mit ein.
Weitere Fragen dazu
Deckt eine WIG-Prüfung umgekehrt MAG ab?
Nein. WIG mit Zusatz (141, 143, 145) qualifiziert nur innerhalb der WIG-Gruppe, also für 141, 142, 143 und 145. Für MAG ist ein eigenes Prüfstück mit eigenem Zeugnis nötig.
Kann ein einziges Prüfstück zwei Verfahren abdecken?
Ja, über ein Mehrprozess-Prüfstück, etwa WIG-Wurzel mit MAG-Fülllagen. Die abgeschmolzene Dicke wird dann je Verfahren angerechnet, und beide Verfahren erscheinen mit ihrem jeweiligen Geltungsbereich im Zeugnis.
Was passiert, wenn außerhalb des Geltungsbereichs geschweißt wird?
Dann fehlt für diese Naht der Qualifikationsnachweis. Betriebe müssen die Zuordnung von Schweißer und Naht dokumentieren können; fehlt der Bereich, ist eine zusätzliche Prüfung erforderlich.
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