Schweißerprüfungen, WPS & EN 1090

Was ist eine Schweißanweisung (WPS) und wann braucht man sie?

Kurz beantwortet

Eine Schweißanweisung (Welding Procedure Specification, WPS) ist die verbindliche Fertigungsanweisung für eine konkrete Schweißverbindung: Sie legt Verfahren, Grund- und Zusatzwerkstoff, Nahtvorbereitung, Lagenaufbau, Position, Strom, Spannung, Schutzgas sowie Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur fest. Gefordert wird sie überall dort, wo eine Anwendungsnorm Qualitätsanforderungen stellt — im Stahlbau etwa nach EN 1090-2, dort ab EXC2 mit qualifiziertem Nachweis.

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Was in einer Schweißanweisung steht

Den Inhalt gibt EN ISO 15609-1 für das Lichtbogenschweißen vor. Eine vollständige WPS nennt unter anderem:

  • Hersteller, WPS-Nummer und Bezug zum zugehörigen Qualifizierungsnachweis
  • Schweißprozess nach ISO 4063 sowie Nahtart mit Skizze der Nahtvorbereitung
  • Grundwerkstoff mit Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608 und den Dicken- sowie Durchmesserbereich
  • Zusatzwerkstoff mit Abmessung, Schutzgas und gegebenenfalls Badsicherung
  • Schweißposition, Lagenaufbau und Lagenfolge
  • Stromart und Polarität, Stromstärke, Spannung, Schweißgeschwindigkeit und Streckenenergie
  • Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur sowie eine etwaige Wärmenachbehandlung

Für andere Prozessgruppen gelten die weiteren Teile der Normenreihe EN ISO 15609.

Von der vorläufigen zur qualifizierten Anweisung

Am Anfang steht die vorläufige Schweißanweisung (pWPS) — die fachliche Annahme, wie die Verbindung gelingen soll. Sie wird nach EN ISO 15607 qualifiziert. Dafür gibt es mehrere Wege: die Schweißverfahrensprüfung nach EN ISO 15614, die vorgezogene Arbeitsprüfung nach EN ISO 15613, ein Standardschweißverfahren nach EN ISO 15612, vorliegende schweißtechnische Erfahrung nach EN ISO 15611 oder geprüfte Zusatzwerkstoffe nach EN ISO 15610. Ergebnis ist der Qualifizierungsnachweis (WPQR), aus dem die freigegebenen Schweißanweisungen abgeleitet werden. Welcher Weg zulässig ist, gibt die Anwendungsnorm vor.

Wann eine WPS gefordert ist

Verbindlich wird die Schweißanweisung über Anwendungsnormen und Verträge:

  • Stahlbau: EN 1090-2 verlangt in allen Ausführungsklassen Schweißanweisungen; qualifiziert — also mit zugrunde liegendem Nachweis nach Tabelle 12 — müssen sie ab EXC2 sein.
  • Qualitätsanforderungen: EN ISO 3834-2 und -3 fordern Schweißanweisungen als Teil der Fertigungslenkung.
  • Druckgeräte: Nach der Druckgeräterichtlinie müssen die Arbeitsverfahren für die Kategorien II bis IV von einer unabhängigen Stelle zugelassen sein.
  • Weitere Bereiche: Schienenfahrzeugbau nach EN 15085 oder Kundenspezifikationen mit eigenen Vorgaben.

Auch das Prüfstück einer Schweißerprüfung wird nach pWPS oder WPS geschweißt.

Wer sie erstellt und aktuell hält

Verantwortlich ist die Schweißaufsicht nach ISO 14731. Sie erstellt oder prüft die Anweisung, gibt sie frei und sorgt dafür, dass die gültige Fassung am Arbeitsplatz liegt und nicht nur im Ordner. Ändert sich eine wesentliche Kenngröße — Werkstoffgruppe, Dicke, Position, Streckenenergie oder Wärmeführung —, führt das aus dem Geltungsbereich heraus und verlangt eine neue oder erweiterte Qualifizierung. Eine gepflegte WPS ist deshalb weniger Bürokratie als Reproduzierbarkeit: Sie macht ein einmal beherrschtes Ergebnis wiederholbar und im Streitfall nachweisbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die WPS ist die verbindliche Fertigungsanweisung für eine konkrete Schweißverbindung.
  • Den Inhalt regelt EN ISO 15609-1, die Qualifizierung regelt EN ISO 15607.
  • Im Stahlbau ist die WPS immer gefordert, ab Ausführungsklasse EXC2 zusätzlich qualifiziert.
  • Ändert sich eine wesentliche Kenngröße, ist die WPS nicht mehr gedeckt.

Weitere Fragen dazu

Was unterscheidet pWPS und WPS?

Die pWPS ist der vorläufige Entwurf, der die Qualifizierung erst durchläuft. Erst nach bestandener Qualifizierung und mit Bezug auf den WPQR wird daraus eine freigegebene WPS für die Fertigung.

Braucht jeder Schweißbetrieb Schweißanweisungen?

Nein. Ohne fordernde Anwendungsnorm oder Vertragsklausel besteht keine Pflicht. Sobald tragende Bauteile nach EN 1090-2, Druckgeräte oder Kunden mit Anforderungen nach EN ISO 3834 im Spiel sind, ist sie unverzichtbar — ab EXC2 zusätzlich mit qualifiziertem Nachweis.

Darf man Schweißanweisungen von Lieferanten übernehmen?

Über Standardschweißverfahren nach EN ISO 15612 oder geprüfte Zusatzwerkstoffe nach EN ISO 15610 ist das möglich, aber an Bedingungen geknüpft — unter anderem an Maschine und Zusatzwerkstoff sowie an den in der Anwendungsnorm zugelassenen Qualifizierungsweg.

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