Qualität & Messtechnik

Was bedeutet die Rundlauftoleranz auf einer Zeichnung?

Kurz beantwortet

Die Rundlauftoleranz begrenzt, wie stark ein Umfang beim Drehen um eine Bezugsachse schlägt. Gemessen wird bei einer vollen Umdrehung in einer festen Messebene: Die Differenz zwischen größtem und kleinstem Anzeigewert darf den Toleranzwert nicht überschreiten. Sie erfasst Rundheits- und Mittigkeitsfehler gemeinsam, ohne sie voneinander zu trennen.

So wird gemessen

Das Teil wird in seinen Bezügen aufgenommen — häufig zwischen Spitzen oder in zwei Lagersitzen — und um die Bezugsachse gedreht. Ein Messtaster steht dabei fest an einer Stelle. Über eine volle Umdrehung wird die Spanne zwischen Höchst- und Tiefstwert abgelesen; diese Spanne ist die Rundlaufabweichung.

Man unterscheidet zwei Richtungen: Beim radialen Rundlauf tastet der Messtaster den Mantel ab, beim axialen Rundlauf (Planlauf) eine Stirnfläche. Beide Angaben brauchen zwingend einen Bezug, sonst ist die Toleranz sinnlos.

Rundlauf oder Gesamtrundlauf

Der Unterschied liegt in der Bewegung des Tasters. Beim Rundlauf bleibt er in einer Ebene stehen — die Toleranz gilt je Messebene. Beim Gesamtrundlauf wird der Taster während mehrerer Umdrehungen zusätzlich axial beziehungsweise radial verfahren; die Toleranz gilt dann für die gesamte Fläche.

Der Gesamtrundlauf ist damit die deutlich schärfere Forderung: Er erfasst zusätzlich Kegeligkeit, Balligkeit und Welligkeit über die Länge. Wer nur Rundlauf fordert, obwohl die Funktion eine durchgehend zylindrische Lauffläche verlangt, spezifiziert am Bedarf vorbei.

Was der Rundlauf für die Fertigung bedeutet

Enge Rundlaufwerte entstehen nicht durch genaueres Messen, sondern durch die Bearbeitungsstrategie. Der sicherste Weg ist die Komplettbearbeitung in einer Aufspannung: Was gemeinsam gedreht wird, läuft auch gemeinsam rund. Sobald umgespannt wird, addiert sich der Aufspannfehler zum Bearbeitungsfehler — und beides lässt sich nachträglich nicht mehr trennen.

Bei gehärteten oder beschichteten Bauteilen kommt hinzu, dass Wärmebehandlung und Schichtaufbau die Geometrie verändern können. Enge Rundlaufforderungen werden deshalb üblicherweise erst nach diesen Schritten erzeugt, etwa durch Schleifen. Das gehört schon in die Anfrage, weil es die Prozesskette und damit die Kosten bestimmt.

Für Konstrukteure heißt das: Rundlauf nur dort eng tolerieren, wo Unwucht, Dichtheit oder Lagerlebensdauer es verlangen. Jede Zehntelstufe schärfer als nötig verschiebt das Teil unter Umständen in eine völlig andere Fertigungsfolge.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rundlauf ist die Spanne zwischen größtem und kleinstem Messwert je Umdrehung.
  • Radialer Rundlauf tastet den Mantel, axialer Rundlauf die Stirnfläche.
  • Gesamtrundlauf gilt über die ganze Fläche und ist die schärfere Forderung.
  • Enge Rundlaufwerte entstehen durch Komplettbearbeitung in einer Aufspannung.

Weitere Fragen dazu

Ist Rundlauf dasselbe wie Rundheit?

Nein. Rundheit ist eine Formtoleranz und beschreibt allein die Kreisform eines Querschnitts, ganz ohne Bezug. Rundlauf ist eine Lauftoleranz und enthält zusätzlich die Abweichung der Lage gegenüber der Bezugsachse. Ein perfekt runder Querschnitt kann einen erheblichen Rundlauffehler aufweisen, wenn er exzentrisch sitzt.

Warum ist der gemessene Rundlauf je nach Aufnahme unterschiedlich?

Weil das Ergebnis unmittelbar von den Bezügen abhängt. Wird das Teil in anderen Flächen aufgenommen als auf der Zeichnung angegeben, misst man eine andere Größe. Bezüge auf der Zeichnung, Aufnahme in der Messvorrichtung und spätere Einbausituation sollten deshalb zusammenpassen.

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