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Lohnt sich Reshoring — die Fertigung zurück nach Deutschland zu holen?
Reshoring lohnt sich, wenn die Gesamtkosten betrachtet werden statt nur der Teilepreis. Für die Rückverlagerung sprechen kurze Lieferketten, geringere Transport- und Lagerkosten, schnellere Reaktion auf Änderungen, weniger Qualitäts- und Währungsrisiko sowie einfachere Kommunikation. Dagegen stehen höhere Stundensätze — die sich bei komplexen Teilen und kleinen Losgrößen oft relativieren.
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Warum der Teilepreis die falsche Vergleichsgröße ist
Ein Angebotspreis aus Fernost lässt sich nicht direkt mit einem europäischen Angebot vergleichen. Zum Vergleich gehören alle Kosten, die durch die Entscheidung entstehen:
- Transport, Verpackung, Versicherung, Zölle und Einfuhrabgaben.
- Sicherheitsbestände wegen langer Wiederbeschaffungszeiten und damit gebundenes Kapital.
- Qualitätskosten: Wareneingangsprüfung, Sortieraktionen, Ausschuss, Nacharbeit.
- Kosten für Reisen, Audits, Übersetzungen und Abstimmungsschleifen.
- Währungs- und Preisrisiken über die Laufzeit.
- Kosten für Änderungen: Jede Konstruktionsanpassung verlängert sich um die Transportzeit.
Erst diese Gesamtbetrachtung zeigt, ob ein günstiger Stückpreis auch ein günstiger Beschaffungspreis ist.
Wo Reshoring besonders gut funktioniert
Nicht jedes Teil eignet sich gleichermaßen. Am stärksten wirkt die Rückverlagerung bei:
- Kleinen und mittleren Losgrößen, bei denen der Lohnkostenanteil je Teil ohnehin gering ist gegenüber Rüsten und Programmieren.
- Komplexen Teilen mit engen Toleranzen, bei denen Abstimmung und Nachweisführung entscheiden.
- Teilen mit häufigen Änderungen, etwa in der Entwicklungsphase.
- Versorgungskritischen Positionen, deren Ausfall die eigene Lieferfähigkeit stoppt.
- Sensiblen Bauteilen, bei denen Know-how-Schutz, Rückverfolgbarkeit oder Herkunftsnachweise zählen.
Bei einfachen Massenteilen mit stabiler Konstruktion und großen Stückzahlen bleibt die Rechnung dagegen häufig zugunsten der bisherigen Quelle.
Wie Sie den Schritt praktisch angehen
Beginnen Sie mit einer Auswahl weniger Teile statt mit dem gesamten Portfolio. Sinnvoll sind Positionen, die zugleich hohes Risiko und überschaubares Volumen aufweisen — dort ist der Nutzen groß und der Aufwand begrenzt.
Bringen Sie die Unterlagen auf Stand: vollständige Zeichnungen mit eindeutigen Toleranzen und Bezügen, aktuelle Modelle, klare Nachweisanforderungen. Vieles, was jahrelang funktioniert hat, steckt als stillschweigendes Wissen beim bisherigen Fertiger und fehlt in den Dokumenten.
Rechnen Sie schließlich mit einer Anlaufphase. Erstbemusterung, Vorrichtungen und Prozessoptimierung kosten einmalig Geld und Zeit; der wirtschaftliche Vergleich wird erst danach aussagekräftig. Wer diese Einmalkosten in den ersten Stückpreis rechnet, kommt zwangsläufig zu einem falschen Ergebnis.
Das Wichtigste in Kürze
- Verglichen werden müssen Gesamtkosten, nicht Stückpreise.
- Kleine Lose, komplexe Teile und häufige Änderungen sprechen für Reshoring.
- Versorgungskritische und sensible Bauteile gehören zuerst auf den Prüfstand.
- Unterlagen anbieterneutral vervollständigen — stillschweigendes Wissen ist der größte Stolperstein.
Weitere Fragen dazu
Was ist der Unterschied zwischen Reshoring und Nearshoring?
Reshoring bezeichnet die Rückverlagerung in das eigene Land, Nearshoring die Verlagerung in ein näher gelegenes Land. Für deutsche Unternehmen bedeutet Nearshoring meist eine Verlagerung innerhalb Europas. Beide Wege verkürzen Lieferketten, unterscheiden sich aber deutlich im Kostenniveau.
Wie lange dauert eine Rückverlagerung?
Das hängt von Teilekomplexität und Nachweisanforderungen ab. Für ein einfaches Zeichnungsteil sind Lieferantenauswahl, Bemusterung und Freigabe vergleichsweise schnell erledigt. Bei Baugruppen mit vielen Zulieferteilen und regulatorischen Nachweisen dauert der Wechsel deutlich länger und sollte als Projekt geplant werden.
Sprechen auch Nachhaltigkeitsgründe für Reshoring?
Häufig ja, weil kürzere Transportwege den Ausstoß aus dem Warentransport senken. Entscheidend ist aber die Gesamtbilanz, in die auch Energiemix und Fertigungsverfahren einfließen. Wer damit argumentieren will, sollte die Bilanz konkret rechnen statt sie zu behaupten.
Verwandte Fragen
Ihr Bauteil konkret kalkulieren
Sie haben eine Zeichnung oder ein 3D-Modell und brauchen eine belastbare Aussage zu Machbarkeit, Werkstoff und Termin? Schicken Sie uns Ihre Unterlagen — wir melden uns mit einer konkreten Einschätzung.