Oberflächentechnik II: Eloxieren, Pulver, Galvanik

Welche RAL-Farben und Glanzgrade sind bei der Pulverbeschichtung möglich?

Kurz beantwortet

Grundsätzlich ist nahezu jeder Farbton darstellbar. Am gebräuchlichsten sind die über 200 Töne der RAL-CLASSIC-Reihe, dazu kommen RAL DESIGN, NCS und Sonderfarbtöne nach Muster. Glanzgrade reichen von tiefmatt bis hochglänzend, ergänzt um Strukturen wie Feinstruktur, Hammerschlag oder Metallic-Effekte. Entscheidend ist die tatsächliche Lagerverfügbarkeit.

Farbsysteme in der Praxis

Die meisten Beschichter arbeiten mit Lagerpulvern in gängigen RAL-CLASSIC-Tönen — Verkehrsweiß, Anthrazitgrau, Tiefschwarz und ähnliche laufen in großen Mengen und sind dadurch schnell und günstig verfügbar. Daneben sind möglich:

  • RAL DESIGN und NCS: systematisch aufgebaute Farbsammlungen, meist als Sonderanfertigung.
  • Sonderfarbtöne nach Muster: auf Basis eines Referenzblechs oder einer Farbnummer angemischt.
  • Effektpulver: Metallic, Perlglanz, Antik- und Eisenglimmer-Optiken.

Zu beachten ist die Mindestabnahme bei Sonderfarbtönen. Pulver wird chargenweise hergestellt, sodass für ein einzelnes Teil eine unwirtschaftliche Menge anfallen kann. Bei mehreren Aufträgen im selben Farbton lohnt es sich, den Bedarf zu bündeln.

Glanzgrade und Strukturen

Der Glanz wird als Reflexionswert gemessen, üblicherweise unter einem Beobachtungswinkel von 60 Grad. Die Bezeichnungen von tiefmatt über matt, seidenmatt und seidenglänzend bis glänzend und hochglänzend sind allerdings nicht einheitlich genormt — verschiedene Hersteller ziehen die Grenzen unterschiedlich. Verbindlich ist deshalb immer der Zahlenwert oder ein freigegebenes Muster, nicht die Wortbezeichnung.

Strukturpulver bringen eine feine bis grobe Oberflächenstruktur mit. Sie kaschieren kleine Unebenheiten, sind unempfindlicher gegen Fingerabdrücke und mechanisch oft robuster. Glatte Hochglanzflächen zeigen dagegen jede Welligkeit des Untergrunds — bei Sichtteilen ist das ein wesentliches Auswahlkriterium.

Worauf es bei der Bestellung ankommt

Damit das Ergebnis der Erwartung entspricht, gehören diese Angaben in die Bestellung:

  • Farbsystem und Farbnummer, etwa RAL 7016
  • Glanzgrad als Wert oder nach Muster
  • Oberflächenausführung: glatt, Feinstruktur, Grobstruktur, Effekt
  • Pulverqualität und geforderte Bewitterungsbeständigkeit, falls das Teil außen eingesetzt wird
  • Schichtdicke und Flächen, die unbeschichtet bleiben

Wichtig zu wissen: Dieselbe RAL-Nummer sieht in unterschiedlichen Glanzgraden, Strukturen und Pulverqualitäten unterschiedlich aus. Auch zwischen Pulverchargen sind leichte Abweichungen möglich. Wo Teile später nebeneinander verbaut werden, sollten sie deshalb aus einer Charge stammen. Die Beschichtung selbst übernehmen spezialisierte Betriebe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nahezu jeder Farbton ist möglich; wirtschaftlich sind vor allem gängige Lagerpulver.
  • Sonderfarbtöne bedeuten Chargenfertigung des Pulvers und damit Mindestabnahmen.
  • Glanzgrad-Bezeichnungen sind nicht einheitlich genormt — Wert oder Muster festlegen.
  • Gleiche RAL-Nummer heißt nicht gleiche Optik: Struktur, Glanz und Charge wirken mit.

Weitere Fragen dazu

Warum wirkt derselbe RAL-Ton auf zwei Bauteilen unterschiedlich?

Neben Glanzgrad und Struktur beeinflussen Schichtdicke, Untergrund und Einbrennbedingungen den Farbeindruck. Auch die Beleuchtung am Einbauort verändert die Wahrnehmung deutlich. Bei Sichtflächen wird der Farbton deshalb an einem Musterblech unter realistischer Beleuchtung freigegeben.

Gibt es RAL-Töne, die nicht als Pulver verfügbar sind?

Praktisch jeder Ton lässt sich anmischen, aber nicht jeder ist ab Lager erhältlich. Besonders bei leuchtenden Rot-, Orange- und Gelbtönen sowie bei Effektfarben sind Verfügbarkeit und Deckvermögen eingeschränkt, sodass mehrere Aufträge nötig werden können. Die Machbarkeit sollte vor der Zusage an den Endkunden geklärt werden.

Sind matte Oberflächen empfindlicher als glänzende?

Nicht grundsätzlich, denn die Beständigkeit hängt vom Bindemittel ab, nicht vom Glanzgrad. Tiefmatte Oberflächen zeigen allerdings Glanzstellen durch Reibung und Reinigung schneller. Für stark berührte Flächen sind seidenmatte Ausführungen oder Feinstrukturen praxistauglicher.

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