Einkauf & Zusammenarbeit
Make or Buy — Eigenfertigung oder Fremdbezug: Wie entscheidet man?
Die Entscheidung fällt entlang von vier Fragen: Gehört die Leistung zur Kernkompetenz? Wie sehen die Vollkosten der Eigenfertigung gegenüber dem Marktpreis aus — inklusive Maschinen, Personal, Rüsten und Gemeinkosten? Wie ausgelastet ist die eigene Fertigung? Und welche Risiken entstehen durch Abhängigkeit, Know-how-Abfluss oder längere Lieferzeiten?
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Die vier Entscheidungskriterien
- Strategie: Ist das Verfahren ein Unterscheidungsmerkmal am Markt oder eine austauschbare Leistung? Kernkompetenzen gehören ins Haus, alles andere ist verhandelbar.
- Kosten: Vollkosten der Eigenfertigung gegen den Marktpreis, nicht Grenzkosten gegen Marktpreis. Wer nur Maschinenstundensatz und Material rechnet, kommt systematisch zum falschen Ergebnis.
- Kapazität: Eine ausgelastete Fertigung, die für ein Zusatzteil investieren müsste, rechnet anders als eine mit freien Schichten.
- Risiko: Abhängigkeit von einem Anbieter, Know-how-Abfluss, längere Wiederbeschaffungszeiten und Qualitätsrisiken stehen gegen Investitions- und Auslastungsrisiko im eigenen Haus.
Welche Kosten regelmäßig vergessen werden
Bei der Eigenfertigung fehlen in der Rechnung häufig: Rüstzeiten und Anlaufverluste, Instandhaltung und Werkzeugverschleiß, Programmierung und Vorrichtungsbau, Fläche, Qualifizierung der Mitarbeiter, gebundene Instandhaltungs- und Ersatzteilbestände sowie die Kapitalbindung der Maschine über ihre Nutzungsdauer.
Beim Fremdbezug werden dagegen gern übersehen: Aufwand für Lieferantenauswahl und Qualifizierung, Bemusterung, Wareneingangsprüfung, Transport und Verpackung, Lagerhaltung wegen längerer Wiederbeschaffungszeiten sowie der interne Aufwand für Beschaffung und Reklamationsbearbeitung.
Ein belastbarer Vergleich stellt daher Gesamtkosten gegen Gesamtkosten — und rechnet über den Lebenszyklus, nicht über einen einzelnen Auftrag.
Wann Fremdbezug typischerweise die bessere Wahl ist
Für Verfahren, die nur gelegentlich gebraucht werden, für Kapazitätsspitzen, für Sonderverfahren mit hohem Investitionsbedarf und für Teilefamilien außerhalb des eigenen Größen- oder Genauigkeitsbereichs ist der Fremdbezug meist wirtschaftlicher.
Umgekehrt spricht vieles für Eigenfertigung, wenn ein Verfahren den Produktvorteil trägt, wenn kurze Reaktionszeiten Teil des Geschäftsmodells sind oder wenn das Prozesswissen nicht nach außen gelangen soll. Häufig ist auch eine Mischform sinnvoll: Grundlast im Haus, Spitzen und Sonderteile extern. Wichtig ist dann, den externen Partner dauerhaft eingebunden zu halten, statt ihn nur im Notfall anzusprechen — ein Fertiger, der die Teile kennt, reagiert im Engpass ungleich schneller als einer, der bei null anfängt.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Kriterien: Kernkompetenz, Vollkosten, Auslastung und Risiko.
- Vollkosten gegen Marktpreis rechnen — Grenzkostenvergleiche führen systematisch in die Irre.
- Fremdbezug punktet bei seltenen Verfahren, Kapazitätsspitzen und hohem Investitionsbedarf.
- Mischform aus Grundlast im Haus und externen Spitzen ist oft die praktikabelste Lösung.
Weitere Fragen dazu
Ab welcher Auslastung lohnt eine eigene Maschine?
Eine allgemeingültige Schwelle gibt es nicht, weil Maschinenpreis, Nutzungsdauer, Personalbedarf und Teilespektrum stark variieren. Sinnvoll ist eine Rechnung mit realistischer Auslastung über mehrere Jahre, ergänzt um ein pessimistisches Szenario. Bleibt die Eigenfertigung auch dann vorteilhaft, ist die Entscheidung belastbar.
Wie verhindert man Know-how-Abfluss beim Fremdbezug?
Durch Geheimhaltungsvereinbarungen, klare Nutzungsrechte an Unterlagen und die Aufteilung besonders sensibler Arbeitsschritte auf mehrere Partner. Ergänzend hilft es, das eigentliche Produktwissen im Haus zu behalten und extern nur einzelne Fertigungsschritte zu vergeben. Vollständig ausschließen lässt sich das Risiko nicht.
Kann eine Make-or-Buy-Entscheidung rückgängig gemacht werden?
Grundsätzlich ja, aber selten billig. Wurde eine Fertigung abgebaut, sind Maschinen verkauft und Fachkräfte nicht mehr im Haus — der Wiederaufbau dauert Jahre. Deshalb sollte die Entscheidung strategisch bewertet werden und nicht allein am aktuellen Preisvergleich hängen.
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