Einkauf & Zusammenarbeit

Was gehört zur Lieferantenbewertung — und wie werden neue Lieferanten qualifiziert?

Kurz beantwortet

Die Lieferantenbewertung misst laufend die tatsächliche Leistung: Qualität als Beanstandungsquote, Liefertreue nach Termin und Menge, Preis- und Kostenentwicklung sowie Zusammenarbeit und Reaktionsfähigkeit. Neue Lieferanten durchlaufen davor eine Qualifizierung — Selbstauskunft, Nachweise, Musterlieferung oder Erstbemusterung und häufig ein Audit —, bevor sie freigegeben werden.

Die vier Bewertungsdimensionen

  • Qualität: Anteil beanstandeter Lieferungen oder Teile, Zahl der Reklamationen, Qualität und Termintreue der 8D-Bearbeitung.
  • Logistik: Termintreue, Mengentreue, Verpackungs- und Kennzeichnungsqualität, Zuverlässigkeit der Rückmeldungen.
  • Kosten: Preisniveau im Wettbewerbsvergleich, Preisentwicklung, Beitrag zu Verbesserungsvorschlägen.
  • Zusammenarbeit: Erreichbarkeit, Angebotsqualität, technische Beratung, Transparenz bei Problemen.

Üblich ist eine Gewichtung dieser Dimensionen zu einer Gesamtkennzahl und eine Einstufung in Klassen, etwa freigegeben, bedingt freigegeben oder gesperrt. Wichtig ist, dass die Datenbasis sauber ist — eine Termintreue-Kennzahl ist wertlos, wenn Terminverschiebungen durch den Einkauf nicht herausgerechnet werden.

Wie neue Lieferanten qualifiziert werden

  1. Vorauswahl: Leistungsprofil, Verfahren, Werkstoffe und Größenbereich gegen den eigenen Bedarf abgleichen.
  2. Selbstauskunft: Unternehmensdaten, Zertifikate, Referenzbranchen, Ausstattung, Auslastung.
  3. Technische Bewertung: Anfragegespräch, gegebenenfalls Werksbesuch oder Audit.
  4. Testauftrag: ein überschaubares Teil mit realistischem Anspruch, bewertet nach Qualität, Termin und Kommunikation.
  5. Bemusterung: Erstmusterprüfbericht oder Messprotokoll für das Serienteil.
  6. Freigabe: Aufnahme in die Lieferantenliste, Rahmenvertrag und Qualitätssicherungsvereinbarung.

Was in der Praxis den Unterschied macht

Kennzahlen allein steuern selten. Wirksam wird die Bewertung erst, wenn sie zurückgespiegelt wird: ein regelmäßiges Gespräch, in dem Ergebnisse gezeigt, Ursachen besprochen und Maßnahmen vereinbart werden. Lieferanten, die ihre Bewertung nie zu sehen bekommen, können sie auch nicht verbessern.

Zweiter Punkt: Die Bewertung sollte zur Bedeutung des Teils passen. Für einen Anbieter von Verbrauchsmaterial genügt eine einfache Betrachtung, für den Fertiger eines sicherheitsrelevanten Bauteils gehören Audit, Prozessdaten und ein belastbarer Notfallplan dazu. Diese Abstufung spart Aufwand und lenkt die Aufmerksamkeit dorthin, wo das Risiko tatsächlich liegt.

Dritter Punkt: Bewertungszeiträume sollten lang genug sein, um Zufälle auszugleichen. Eine einzelne verspätete Lieferung sagt wenig, ein Trend über zwölf Monate sagt viel. Wer zu kurzfristig bewertet, bestraft einzelne Ausreißer und übersieht dafür die schleichende Verschlechterung über längere Zeiträume.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bewertet wird entlang von Qualität, Logistik, Kosten und Zusammenarbeit.
  • Neue Lieferanten durchlaufen Selbstauskunft, technische Bewertung, Testauftrag und Bemusterung.
  • Kennzahlen wirken erst, wenn sie dem Lieferanten regelmäßig zurückgespiegelt werden.
  • Der Bewertungsaufwand sollte zur Kritikalität des beschafften Teils passen.

Weitere Fragen dazu

Was bedeutet eine ppm-Angabe in der Lieferantenbewertung?

Die Abkürzung steht für parts per million und beschreibt fehlerhafte Teile je Million gelieferter Teile. Sie ist bei großen Stückzahlen aussagekräftig, bei Klein- und Einzelteilfertigung dagegen wenig sinnvoll. Dort wird üblicherweise mit der Zahl beanstandeter Lieferungen statt mit ppm gearbeitet.

Wie werden Lieferanten für Kleinserien fair bewertet?

Indem die Bezugsgröße zur Fertigungsart passt. Statt ppm werden Beanstandungen je Lieferung, die Qualität der Dokumentation und die Reaktionszeit bei Rückfragen bewertet. Ergänzend zählt die technische Beratungsleistung, die gerade bei Einzel- und Kleinserienteilen einen erheblichen Wertbeitrag darstellt.

Wann sollte ein Lieferant gesperrt werden?

Wenn wiederholte Abweichungen trotz vereinbarter Maßnahmen anhalten oder wenn eine sicherheitsrelevante Anforderung verletzt wurde. Eine Sperre sollte immer befristet, begründet und mit klaren Bedingungen für die Wiederfreigabe versehen sein. Vorher lohnt der Blick, ob die Ursache tatsächlich beim Lieferanten liegt.

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