Einkauf & Zusammenarbeit

Wie läuft ein Lieferantenaudit ab — und was wird geprüft?

Kurz beantwortet

Ein Lieferantenaudit prüft vor Ort, ob ein Lieferant die vereinbarten Anforderungen tatsächlich erfüllt. Der Ablauf folgt einem festen Muster: Anmeldung und Auditplan, Eröffnungsgespräch, Rundgang durch Fertigung und Prüfbereiche, Einsicht in Nachweise, Abschlussgespräch, Auditbericht mit bewerteten Feststellungen und ein Maßnahmenplan mit Terminen.

Der typische Ablauf

  1. Vorbereitung: Auditziel und Umfang festlegen, Termin abstimmen, Auditplan und Fragenkatalog vorab versenden.
  2. Eröffnungsgespräch: Ablauf, Ansprechpartner und Vertraulichkeit klären.
  3. Rundgang: Wareneingang, Fertigung, Messraum, Lager und Versand im laufenden Betrieb ansehen.
  4. Nachweisprüfung: Stichproben zu Aufträgen, Prüfplänen, Kalibrierscheinen, Reklamationen und Schulungen.
  5. Abschlussgespräch: Feststellungen vorstellen und einordnen.
  6. Bericht und Maßnahmen: Abweichungen bewerten, Maßnahmen mit Verantwortlichen und Terminen vereinbaren, Wirksamkeit später nachverfolgen.

Als Leitfaden für die Auditierung von Managementsystemen dient die ISO 19011; in automobilnahen Lieferketten wird ergänzend nach VDA 6.3 prozessorientiert auditiert.

Was tatsächlich geprüft wird

Ein gutes Audit fragt nicht ab, ob Dokumente existieren, sondern ob sie gelebt werden. Typische Schwerpunkte:

  • Auftragsabwicklung: Wie wird geprüft, ob eine Anfrage technisch machbar ist?
  • Dokumentenlenkung: Arbeitet die Fertigung nachweislich mit dem gültigen Zeichnungsstand?
  • Prüfplanung und Prüfmittel: Sind Prüfmerkmale festgelegt, Messmittel überwacht und kalibriert?
  • Rückverfolgbarkeit: Lässt sich vom Fertigteil auf Charge, Maschine und Bediener schließen?
  • Fehlermanagement: Wie wird gesperrt, bewertet und abgestellt — und wirkt das nachweislich?
  • Unterlieferanten: Werden Fremdleistungen bewertet und freigegeben?

Wie Sie das Audit wirksam machen

Der Nutzen entsteht nicht im Termin, sondern in der Nachverfolgung. Feststellungen ohne Verantwortlichen, Termin und Wirksamkeitsprüfung verpuffen. Ebenso wichtig ist die Abstufung: Nicht jede Abweichung ist kritisch, und ein Audit, das alles gleich gewichtet, verliert seine Steuerungswirkung.

Für kleinere Lieferanten empfiehlt sich ein verhältnismäßiger Ansatz. Ein Betrieb mit wenigen Beschäftigten kann dieselben Anforderungen mit deutlich schlankeren Mitteln erfüllen — entscheidend ist, dass Prozesse nachvollziehbar beherrscht werden, nicht der Umfang des Handbuchs.

Hilfreich ist außerdem, den Fragenkatalog vorab zu senden und die zu prüfenden Aufträge erst vor Ort auszuwählen. So bleibt der Termin vorbereitet, ohne dass ausschließlich vorbereitete Musterfälle gezeigt werden. Und ein Audit sollte ausdrücklich auch nach guten Lösungen suchen: Was ein Lieferant besonders gut beherrscht, lässt sich oft auf andere Lieferanten übertragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ablauf reicht vom Auditplan über Rundgang und Nachweisprüfung bis zum Maßnahmenplan.
  • Geprüft wird die gelebte Praxis, nicht die Existenz von Dokumenten.
  • ISO 19011 gibt den Leitfaden, VDA 6.3 die prozessorientierte Variante der Automobilbranche.
  • Wirksam wird ein Audit erst durch Nachverfolgung von Maßnahmen und Wirksamkeitsnachweis.

Weitere Fragen dazu

Wie oft sollte ein Lieferant auditiert werden?

Das hängt vom Risiko ab und wird risikobasiert festgelegt. Kritische Lieferanten mit sicherheitsrelevanten Teilen werden häufiger besucht als Anbieter unkritischer Normteile. Viele Einkaufsorganisationen kombinieren einen mehrjährigen Rhythmus mit anlassbezogenen Audits nach Qualitätsproblemen.

Ersetzt ein ISO-9001-Zertifikat das Lieferantenaudit?

Nein, es reduziert nur den Umfang. Das Zertifikat belegt ein funktionierendes Managementsystem, sagt aber nichts über die konkrete Eignung für Ihr Bauteil aus. Viele Einkäufer verzichten bei zertifizierten Lieferanten auf das Systemaudit und führen stattdessen ein fokussiertes Prozess- oder Produktaudit durch.

Was ist der Unterschied zwischen System-, Prozess- und Produktaudit?

Das Systemaudit betrachtet das Managementsystem als Ganzes, das Prozessaudit einen konkreten Fertigungsprozess und das Produktaudit ein fertiges Teil gegen seine Spezifikation. In der Lieferantenbewertung werden die drei Formen kombiniert. Für zerspanende Lohnfertigung ist das Prozessaudit meist am aussagekräftigsten.

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