Oberflächentechnik II: Eloxieren, Pulver, Galvanik
Was bedeuten die Korrosivitätskategorien C1 bis C5 — und welche brauche ich?
Die Korrosivitätskategorien nach DIN EN ISO 12944-2 beschreiben, wie stark eine Umgebung Metall angreift — von C1 für beheizte Innenräume bis C5 für Industrie- und Küstenatmosphären, ergänzt um CX für extreme Bedingungen. Aus der Kategorie und der gewünschten Schutzdauer ergibt sich das passende Beschichtungssystem.
Passende Leistungen
Die Kategorien mit Beispielen
| Kategorie | Zinkabtrag je Jahr | Innen | Außen |
|---|---|---|---|
| C1, unbedeutend | bis 0,1 µm | beheizte Räume mit niedriger Luftfeuchte, etwa Büros, Schulen, Museen | trockene oder kalte Klimagebiete mit sehr geringer Verunreinigung |
| C2, gering | über 0,1 bis 0,7 µm | unbeheizte Räume mit seltener Kondensatbildung, etwa Lagerräume, Sporthallen | ländliche Bereiche und Kleinstädte mit geringer Luftverunreinigung |
| C3, mäßig | über 0,7 bis 2,1 µm | Räume mit gelegentlicher Kondensatbildung, etwa Brauereien, Molkereien, Wäschereien | städtische Bereiche, Küstenbereiche mit geringer Chloridablagerung |
| C4, stark | über 2,1 bis 4,2 µm | Räume mit häufiger Kondensatbildung, etwa Industrieanlagen, Schwimmbäder | Industriegebiete, Küstenbereiche ohne Salzwassersprühnebel, starke Tausalzbelastung |
| C5, sehr stark | über 4,2 bis 8,4 µm | Räume mit sehr häufiger Kondensatbildung und hoher Verunreinigung | Industriebereiche und Küstenbereiche mit hoher Feuchte und Salzbelastung |
Darüber liegt CX für extreme Bedingungen wie Offshore-Anlagen und tropische Industrieatmosphären. Für Wasser und Boden gelten eigene Kategorien Im1 bis Im4.
Schutzdauerklassen: eine Planungsgröße, keine Garantie
Neben der Belastung wird festgelegt, wie lange das Beschichtungssystem halten soll, bis die erste größere Instandsetzung ansteht. Üblich sind vier Stufen: niedrig bis etwa 7 Jahre, mittel etwa 7 bis 15 Jahre, hoch etwa 15 bis 25 Jahre und sehr hoch über 25 Jahre.
Wichtig ist das Verständnis dieser Angabe: Sie ist eine technische Planungsgröße für die Systemauswahl und keine Gewährleistungsfrist. Aus der Kombination von Korrosivitätskategorie und Schutzdauerklasse ergibt sich, welcher Aufbau infrage kommt — Vorbereitungsgrad der Oberfläche, Grundierung, Anzahl der Schichten und Gesamtschichtdicke.
Die richtige Kategorie bestimmen
Fehler entstehen meist dadurch, dass die Umgebung zu günstig eingeschätzt wird. Hilfreich sind diese Fragen:
- Steht das Bauteil dauerhaft im Freien, oder nur zeitweise?
- Wie nah liegt der Einsatzort an der Küste, an einer Straße mit Winterdienst oder an einer Emissionsquelle?
- Entsteht regelmäßig Kondensat, etwa in Hallen mit Nassprozessen?
- Gibt es ein ungünstiges Mikroklima — Spalten, Auflageflächen, dauerfeuchte Ecken, Spritzwasserbereiche?
- Wird mit aggressiven Mitteln gereinigt?
Die Kategorie sollte am ungünstigsten Punkt des Bauteils bestimmt werden, nicht im Mittel. Umgekehrt kostet Überspezifizieren Geld: Ein C5-System für ein Bauteil in trockener Halle ist unnötiger Aufwand. Kategorie, Schutzdauerklasse und System gehören in die Bestellung — die Ausführung übernehmen Verzinkereien und Beschichtungsbetriebe.
Das Wichtigste in Kürze
- C1 bis C5 und CX beschreiben, wie aggressiv die Umgebung auf Metall wirkt.
- Der Zinkabtrag steigt von unter 0,1 µm je Jahr in C1 auf über 4 µm in C5.
- Schutzdauerklassen reichen von bis zu 7 bis über 25 Jahre — als Planungsgröße, nicht als Garantie.
- Kategorie am ungünstigsten Punkt bestimmen, aber nicht unnötig überspezifizieren.
Weitere Fragen dazu
Warum gibt es C5-I und C5-M in manchen Unterlagen noch getrennt?
Ältere Ausgaben der Norm unterschieden zwischen der industriellen Variante C5-I und der maritimen Variante C5-M. In der aktuellen Fassung sind beide zu einer Kategorie C5 zusammengefasst und die zusätzliche Kategorie CX eingeführt worden. In Bestandsunterlagen und Datenblättern tauchen die alten Bezeichnungen deshalb weiterhin auf.
Gelten die Kategorien auch für Aluminium und nichtrostenden Stahl?
Die Kategorien beschreiben die Korrosivität der Umgebung und sind insofern werkstoffunabhängig nutzbar. Die genannten Abtragsraten beziehen sich allerdings auf unlegierten Stahl und auf Zink. Für Aluminium und nichtrostende Stähle sind stattdessen Werkstoffauswahl und Oberflächenzustand die entscheidenden Größen.
Wie wird die Kategorie im Zweifelsfall ermittelt?
Neben der Zuordnung anhand von Umgebungsbeschreibungen erlaubt die Norm die Bestimmung über Auslagerungsversuche mit Standardproben. Dabei wird der Masseverlust nach einem Jahr gemessen und daraus die Kategorie abgeleitet. Für den Regelfall genügt die beschreibende Einordnung, für Grenzfälle und große Projekte lohnt die Messung.
Verwandte Fragen
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