Oberflächentechnik & Beschichtung
Was ist ein Gleitlack — und wie funktioniert Trockenschmierung?
Ein Gleitlack ist ein dünner, aushärtender Lack, in dessen Bindemittel Festschmierstoffe wie PTFE, Molybdändisulfid oder Graphit eingelagert sind. Nach dem Aushärten bleibt ein fest haftender Trockenschmierfilm zurück. Die Schmierwirkung entsteht, weil diese Partikel unter Last nur sehr geringe Scherkräfte übertragen und einen gleitfähigen Trennfilm bilden — ganz ohne Öl oder Fett.
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Aufbau und Funktionsprinzip
Ein Gleitlack besteht aus drei Anteilen: einem Bindemittel (organisches Kunstharz oder anorganisch), einem oder mehreren Festschmierstoffen und einem Träger, also Lösemittel oder Wasser. Aufgetragen wird gespritzt, getaucht oder in der Trommel; anschließend härtet die Schicht luftgetrocknet oder thermisch eingebrannt aus.
Das Bindemittel verankert den Film auf dem Bauteil und hält die Partikel in Position. Die Festschmierstoffe übernehmen die eigentliche Schmierung, und zwar auf zwei verschiedenen Wegen: Graphit und Molybdändisulfid sind lamellar aufgebaut — ihre Kristallebenen sind untereinander nur schwach gebunden und scheren unter Last leicht ab. PTFE besitzt kein solches Schichtgitter; es wirkt über einen dünnen Übertragungsfilm, den es auf dem Gegenkörper aufbaut. In beiden Fällen entsteht eine gleitfähige Trennschicht zwischen den Reibpartnern. Dieser Effekt braucht keinen Schmierstofffilm, keine Umlaufmenge und keine Nachschmierung.
PTFE, MoS₂ oder Graphit — wo die Unterschiede liegen
| Festschmierstoff | Stärken und Einschränkungen |
|---|---|
| PTFE | Sehr niedriger Reibwert, antihaftend, chemisch träge; geeignet bei niedriger bis mittlerer Flächenpressung |
| Molybdändisulfid (MoS₂) | Trägt hohe Flächenpressungen, gut bei langsamen und oszillierenden Bewegungen, funktioniert auch im Vakuum; empfindlich gegenüber Feuchte |
| Graphit | Temperaturbeständig, benötigt für gute Gleitwirkung jedoch Luftfeuchte — im Vakuum und in trockenen Gasen daher ungeeignet |
Viele Produkte kombinieren zwei Festschmierstoffe, um beide Effekte zu nutzen. Welche Grenze für Temperatur und Chemikalien gilt, bestimmt in der Regel das Bindemittel.
Wann Trockenschmierung die richtige Wahl ist — und wann nicht
Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn Öl stört oder nicht funktioniert:
- staubige Umgebungen, Reinraum, Vakuum oder schwer zugängliche Stellen ohne Nachschmiermöglichkeit
- hohe Flächenpressungen bei kleinen Geschwindigkeiten
- oszillierende Kleinstbewegungen, bei denen Passungsrost droht
- Montage- und Einlaufschmierung sowie definierte Reibwerte an Schraubverbindungen
- sehr hohe oder sehr tiefe Temperaturen
Die Grenzen sind ebenso klar: Der Film wird verbraucht und regeneriert sich nicht. Er führt keine Wärme ab, wie es ein Ölkreislauf tut. Seine Haftung hängt vollständig von der Vorbehandlung ab. Und die Schichtdicke verändert Passungen und Gewindemaße — das gehört vor der Beschichtung in die Toleranzrechnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Gleitlack = Bindemittel plus Festschmierstoff; nach dem Aushärten bleibt ein fester Schmierfilm.
- Graphit und MoS₂ schmieren über abscherende Kristallebenen, PTFE über einen Übertragungsfilm.
- PTFE für niedrigste Reibung, MoS₂ für hohe Pressung, Graphit braucht Luftfeuchte.
- Der Film ist endlich, führt keine Wärme ab und verändert Passungsmaße.
Weitere Fragen dazu
Wie dick wird ein Gleitlack aufgetragen?
Meist zwischen wenigen Mikrometern und rund 30 µm je Schicht. Mehr ist selten besser: Zu dicke Schichten neigen zum Abplatzen und verändern Passungen unnötig stark. Der Sollwert steht im Datenblatt des Systems und gehört in die Zeichnung.
Kann man Gleitlack zusätzlich mit Fett schmieren?
Technisch ist es möglich, verändert aber den Reibwert und damit bei Schraubverbindungen die Vorspannkraft. Wo ein Reibwertfenster spezifiziert ist, darf nicht ohne Freigabe zusätzlich geschmiert werden. Verträglichkeit von Fett und Bindemittel ist vorher zu klären.
Wodurch versagt ein Gleitlack am häufigsten?
Durch mangelhafte Vorbehandlung. Fettreste, zu glatte Oberflächen oder Feuchtigkeit führen zu Haftungsverlust, und der Film löst sich flächig ab. Danach folgen falsche Schichtdicke und eine Belastung oberhalb der spezifizierten Flächenpressung.
Verwandte Fragen
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