Qualität & Messtechnik

Was ist der Unterschied zwischen EMPB und PPAP?

Kurz beantwortet

Beide belegen, dass ein Serienprozess freigabefähige Teile liefert — sie stammen aber aus verschiedenen Regelwerken. Der Erstmusterprüfbericht folgt in Europa dem VDA-Verfahren der Produktionsprozess- und Produktfreigabe, PPAP kommt von der amerikanischen AIAG und verlangt einen belegten Serienlauf. PPAP ist formal enger gefasst, der Nachweisgedanke ist derselbe.

Zwei Regelwerke, ein Ziel

Im deutschsprachigen Raum ist die Erstbemusterung nach VDA Band 2 üblich. Das dort beschriebene Verfahren heißt Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) und stellt den Nachweis in den Mittelpunkt, dass der freigegebene Prozess dauerhaft konforme Teile liefert.

PPAP — Production Part Approval Process — stammt von der Automotive Industry Action Group (AIAG) und ist in nordamerikanisch geprägten Lieferketten verbreitet. Beide Verfahren gehören zu den Automotive Core Tools und stehen neben APQP, FMEA, MSA und SPC.

Die Unterschiede im Überblick

Merkmal EMPB / PPF nach VDA Band 2 PPAP nach AIAG
Herausgeber VDA Qualitäts-Management-Center Automotive Industry Action Group
Verbreitung Europa, deutschsprachiger Fahrzeug- und Maschinenbau Nordamerika, international geprägte Lieferketten
Abstufung vereinbarte Vorlagestufen bis hin zur Selbstfreigabe fünf Submission Levels, Vorgabe durch den Kunden
Serienlauf Fertigung unter serienmäßigen Bedingungen Serienlauf über ein bis acht Stunden mit mindestens 300 aufeinanderfolgenden Teilen
Abschluss Freigabeentscheidung des Kunden im Bericht Part Submission Warrant als Deckblatt

Was das für die Praxis bedeutet

Für einen Zulieferer ist der inhaltliche Aufwand in beiden Verfahren ähnlich: Merkmalsnachweis gegen die Zeichnung, Werkstoff- und Oberflächenbelege, Dokumentation des Prozesses und der eingesetzten Prüfmittel. Die Unterschiede entstehen vor allem bei Formularen, Begriffen und bei der Menge an Prozessdaten, die vorzulegen ist.

Praktisch relevant ist deshalb vor allem die Frage, welches Regelwerk der Kunde vorgibt. Wer international liefert, sollte früh klären, ob ein VDA-Formblatt akzeptiert wird oder ob ein vollständiges PPAP-Paket erwartet wird — das entscheidet über Vorlaufzeit, Prüfaufwand und damit über den Preis der Erstmuster.

Außerhalb der Automobilbranche greifen viele Auftraggeber auf eigene, meist deutlich schlankere Formblätter zurück. Inhaltlich orientieren sie sich jedoch an denselben Punkten: Wer einen sauberen Merkmalsnachweis führen kann, erfüllt damit in aller Regel auch die Anforderungen dieser Hausformate.

Das Wichtigste in Kürze

  • EMPB und PPAP belegen dasselbe: Der freigegebene Prozess liefert konforme Teile.
  • VDA Band 2 prägt Europa, PPAP der AIAG prägt nordamerikanische Lieferketten.
  • PPAP fordert einen definierten Serienlauf und arbeitet mit fünf Submission Levels.
  • Welches Regelwerk gilt, gibt immer der Kunde vor — früh klären.

Weitere Fragen dazu

Ist PPAP auch außerhalb der Automobilindustrie gefordert?

Gelegentlich ja, vor allem wenn der Auftraggeber Teil eines global aufgestellten Konzerns mit nordamerikanischer Prägung ist. Im europäischen Maschinen- und Anlagenbau ist der Erstmusterprüfbericht nach VDA-Vorbild deutlich häufiger. Entscheidend ist immer die Vorgabe in Bestellung oder Qualitätssicherungsvereinbarung.

Was ist der Part Submission Warrant?

Der Part Submission Warrant ist das Deckblatt eines PPAP-Pakets. Der Lieferant bestätigt darin, dass die vorgelegten Teile den Kundenanforderungen entsprechen und unter Serienbedingungen gefertigt wurden. Der Kunde dokumentiert auf demselben Blatt seine Freigabeentscheidung.

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