Schweißen
Welches Schweißverfahren eignet sich für Edelstahl?
Für Edelstahl sind WIG (141) und MAG mit Argon-Mischgas (135) die Standardverfahren; WIG bei Dünnblech, Rohren, Wurzellagen und Sichtnähten, MAG bei dickeren Querschnitten und langen Nähten. Reines CO₂ ist ungeeignet, weil es die Naht aufkohlt. Entscheidend sind geringe Wärmeeinbringung, passender Zusatzwerkstoff und Wurzelschutz durch Formieren.
Passende Leistungen
Die geeigneten Verfahren im Vergleich
Austenitische Edelstähle wie 1.4301 oder 1.4404 lassen sich grundsätzlich mit allen gängigen Lichtbogenverfahren fügen. In der Praxis dominieren drei:
| Verfahren | Stärke | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| WIG (141) | höchste Nahtqualität, geringe Wärmeeinbringung | Dünnblech, Rohre, Wurzellagen, Sichtnähte, Lebensmittel- und Chemiebereich |
| MAG (135/138) | hohe Abschmelzleistung | dickere Bleche, lange Nähte, Behälter- und Apparatebau |
| E-Hand (111) | windunempfindlich, keine Gasflasche nötig | Montage und Reparatur vor Ort |
Schutzgas: worauf es bei Edelstahl ankommt
Bei Edelstahl entscheidet das Schutzgas mit über die spätere Korrosionsbeständigkeit. Für WIG wird reines Argon (Gruppe I1 nach DIN EN ISO 14175) eingesetzt, für höhere Schweißgeschwindigkeit auch Argon-Wasserstoff-Gemische — allerdings nur bei austenitischen Werkstoffen, nicht bei ferritischen, martensitischen oder Duplex-Stählen. Für MAG kommen Mischgase mit sehr geringem Aktivgasanteil zum Einsatz, typischerweise Argon mit rund 2,5 % CO₂ (Gruppe M12). Reines CO₂ ist ungeeignet: Der Kohlenstoff geht in das Schweißgut über und begünstigt die Bildung von Chromkarbiden.
Zusatzwerkstoff und Wärmeführung
Der Zusatzwerkstoff wird in der Regel artgleich oder leicht überlegiert gewählt: zu 1.4301 passt etwa ein Zusatz vom Typ 1.4316, zu 1.4404 ein molybdänhaltiger Zusatz vom Typ 316L. Wichtig ist eine kontrollierte Wärmeführung — niedrige Streckenenergie, zügiges Schweißen, begrenzte Zwischenlagentemperatur. Austenitischer Edelstahl dehnt sich stärker aus und leitet Wärme schlechter als unlegierter Stahl; Verzug und Eigenspannungen fallen entsprechend größer aus. Heftfolge und Spannvorrichtung gehören deshalb zur Arbeitsvorbereitung.
Wurzelschutz durch Formieren
Beim Schweißen von Rohren und Behältern muss auch die Wurzelseite vor Sauerstoff geschützt werden. Dieses Formieren verdrängt die Luft im Wurzelbereich durch Argon oder — bei austenitischen Werkstoffen — durch ein Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch. Ohne Wurzelschutz oxidiert die Wurzel, es entstehen Anlauffarben und eine chromverarmte Randzone; genau dort setzt später Korrosion an. Nach dem Schweißen müssen Anlauffarben und die chromverarmte Randzone darunter entfernt werden — zuverlässig gelingt das durch Beizen mit anschließendem Passivieren, durch elektrochemisches Reinigen oder durch ausreichend tiefen mechanischen Abtrag.
Das Wichtigste in Kürze
- WIG für Dünnblech, Wurzeln und Sichtnähte; MAG für dicke Querschnitte und lange Nähte.
- Für Edelstahl nur Argon, Argon-Wasserstoff oder Mischgas mit geringem Aktivgasanteil — nie reines CO₂.
- Zusatzwerkstoff artgleich oder leicht überlegiert wählen, Wärmeeinbringung konsequent begrenzen.
- Ohne Formieren oxidiert die Wurzel; Anlauffarben müssen danach entfernt werden.
Weitere Fragen dazu
Kann man Edelstahl mit einem normalen MAG-Gerät schweißen?
Technisch ja, wenn Mischgas mit niedrigem CO₂-Anteil, ein Edelstahldraht und eine geeignete Drahtführung verwendet werden. Wichtig ist strikte Werkzeugtrennung: Ein zuvor an Baustahl benutzter Schleifteller oder eine Stahlbürste hinterlässt Eisenpartikel, die später als Fremdrost sichtbar werden.
Was ist beim Schweißen von Duplex-Edelstahl anders?
Duplex-Stähle wie 1.4462 und Superduplex-Sorten wie 1.4410 verlangen ein enges Wärmeführungsfenster, weil das Verhältnis von Ferrit zu Austenit im Schweißgut stimmen muss. Wasserstoffhaltige Schutz- und Formiergase scheiden hier aus, und die Zwischenlagentemperatur wird eng überwacht.
Warum brauchen Edelstahlbauteile eigene Werkzeuge und Lagerflächen?
Eisenpartikel aus der Baustahlbearbeitung haften an der Oberfläche und rosten dort. Das sieht aus wie Korrosion des Edelstahls, ist aber Fremdrost. Getrennte Bürsten, Schleifmittel, Spannmittel und Ablageflächen verhindern das zuverlässig.
Verwandte Fragen
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