Werkstoffe & Edelstahl
Was ist der Unterschied zwischen Edelstahl A2 und A4 — und wann brauche ich A4?
A2 und A4 sind Werkstoffgruppen für nichtrostende Verbindungselemente nach ISO 3506. A2 entspricht einem Chrom-Nickel-Stahl vom Typ 1.4301, A4 einem molybdänlegierten Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl vom Typ 1.4401 oder 1.4404. A4 brauchen Sie überall dort, wo Chloride wirken: Küste, Streusalz, Schwimmbad und Chemie. Die Festigkeit ist davon unabhängig: A2-70 und A4-70 sind gleich fest.
Passende Leistungen
Was die Bezeichnung A2-70 bedeutet
Die Angabe auf einer Edelstahlschraube besteht aus zwei Teilen. Der Buchstabe mit Ziffer benennt die Werkstoffgruppe, die zweite Zahl die Festigkeitsklasse — sie entspricht einem Zehntel der Mindestzugfestigkeit in Megapascal.
| Klasse | Zugfestigkeit Rm mindestens | Dehngrenze Rp0,2 mindestens |
|---|---|---|
| 50 | 500 MPa | 210 MPa |
| 70 | 700 MPa | 450 MPa |
| 80 | 800 MPa | 600 MPa |
Austenitische Stähle lassen sich nicht härten. Die höheren Klassen entstehen ausschließlich durch Kaltverfestigung beim Umformen, etwa beim Gewindewalzen. Deshalb gelten die Klassen 70 und 80 nach der Norm nur bis Gewindedurchmesser M24; darüber sind die Werte gesondert zu vereinbaren.
Der Unterschied zwischen A2 und A4
Der entscheidende Unterschied ist Molybdän. A2 entspricht einem klassischen Chrom-Nickel-Stahl ohne festgelegten Molybdängehalt, A4 einem Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl mit rund 2 %. Molybdän stabilisiert die schützende Passivschicht gegen Chloride und damit gegen Loch- und Spaltkorrosion. Optisch sind die beiden nicht zu unterscheiden, weshalb Kennzeichnung und Wareneingangskontrolle wichtig sind.
Daneben gibt es weitere Gruppen: A1 ist eine schwefellegierte Automatenvariante mit besserer Zerspanbarkeit und geringerer Korrosionsbeständigkeit, A5 eine molybdänlegierte und zusätzlich stabilisierte Gruppe vom Typ 1.4571. Neben den austenitischen A-Gruppen kennt die Norm auch ferritische, martensitische und Duplex-Gruppen.
Wann A2 genügt und wann A4 nötig ist
- A2 genügt im Innenbereich, bei normaler Außenluft im Binnenland, im Möbel- und Maschinenbau sowie bei Lebensmittelkontakt ohne nennenswerte Salzbelastung.
- A4 ist nötig in Küstennähe und bei Seeluft, im Winterdienstbereich mit Streusalz, in Schwimmbädern, in der Chemie- und Lebensmittelverarbeitung mit chloridhaltigen Reinigern und bei dauerhafter Feuchte.
Zwei Praxishinweise: Verbindungselemente aus Edelstahl neigen zum Kaltverschweißen im Gewinde — gleichmäßiges Anziehen und ein geeignetes Montagemittel beugen vor. Und mischen Sie A2 und A4 nicht in feuchter Umgebung, ebenso wenig Edelstahl und unlegierten Stahl: Die unedlere Seite korrodiert dann bevorzugt. Für tragende Bauteile in Hallenbadatmosphäre reicht auch A4 nicht aus; dort schreiben die einschlägigen Regelwerke höher molybdänhaltige Sorten wie 1.4529, 1.4547 oder 1.4565 vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Unterschied zwischen A2 und A4 ist das Molybdän, nicht die Festigkeit.
- Die zweite Zahl ist ein Zehntel der Mindestzugfestigkeit: A2-70 bedeutet 700 MPa.
- Klassen 70 und 80 entstehen durch Kaltverfestigung und gelten nur bis M24.
- A2 und A4 oder Edelstahl und Baustahl nicht feucht miteinander paaren.
Weitere Fragen dazu
Ist A4 immer fester als A2?
Nein. Werkstoffgruppe und Festigkeitsklasse sind unabhängig voneinander. A4-70 und A2-70 haben dieselben Mindestwerte für Zugfestigkeit und Dehngrenze. Der Unterschied liegt allein in der Korrosionsbeständigkeit — Molybdän macht die Schraube nicht fester.
Warum ist meine Edelstahlschraube leicht magnetisch?
Das ist normal und kein Mangel. Austenitische Stähle sind im geglühten Zustand praktisch unmagnetisch, durch die Kaltumformung beim Kopfstauchen und Gewindewalzen entsteht jedoch ein magnetisierbarer Gefügeanteil. Die Korrosionsbeständigkeit wird dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt.
Was tun gegen Kaltverschweißen von Edelstahlgewinden?
Das Fressen entsteht durch das Verschweißen der Gewindeflanken unter Druck, wenn die Passivschicht örtlich aufreißt. Hilfreich sind langsames, gleichmäßiges Anziehen, ein geeignetes Montagemittel sowie saubere, gratfreie Gewinde. Einmal gefressene Verbindungen lassen sich meist nur zerstörend lösen.
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