Kosten & Preise
Was kostet eine Stunde CNC-Drehen?
Ein pauschaler Stundensatz für CNC-Drehen lässt sich nicht seriös nennen: Jeder Fertiger kalkuliert ihn aus Maschinenkosten, Auslastung, Lohn- und Gemeinkosten. Eine einfache Zyklendrehmaschine liegt deutlich unter einem Langdrehautomaten mit Gegenspindel und angetriebenen Werkzeugen. Entscheidend für den Einkauf ist ohnehin der Stückpreis bei definierter Losgröße, nicht der Stundensatz.
Die Maschinenklasse bestimmt den Satz
Unter „CNC-Drehen“ fallen Maschinen mit sehr unterschiedlichem Kapitaleinsatz. Der Stundensatz folgt dieser Spreizung:
- Zyklendrehmaschine: zyklengesteuert und dialogprogrammiert, mit manuellem Handling — ideal für Einzelteile und Reparaturen, mit dem günstigsten Satz
- CNC-Drehzentrum mit angetriebenen Werkzeugen, Y-Achse und Gegenspindel: fräst, bohrt und übergibt das Teil zur Rückseitenbearbeitung maschinenintern an die Gegenspindel, ohne manuelles Umspannen
- Langdrehautomat mit Stangenlader: für lange, schlanke Präzisionsteile in Serie, oft mit langen mannlosen Laufzeiten
Hinzu kommen dieselben Einflussgrößen wie bei jeder Zerspanungsmaschine: Abschreibung, kalkulatorische Zinsen, Raum, Energie, Instandhaltung, die geplanten Laufstunden sowie Lohn- und Gemeinkosten.
Der Automatisierungsgrad wirkt dabei doppelt: Ein Stangenlader beschickt die Maschine selbsttätig, sodass ein Bediener mehrere Maschinen betreuen kann und Laufzeiten außerhalb der besetzten Schicht möglich werden. Das senkt den Lohnanteil je Stunde deutlich, setzt aber eine ausreichende Stückzahl und einen eingefahrenen, prozesssicheren Ablauf voraus.
Was beim Drehen anders kalkuliert wird als beim Fräsen
Drehteile entstehen meist aus Stangenmaterial. Der Materialanteil ist dadurch gut planbar, aber Einspannende und Abstechbreite gehen als Verschnitt verloren — bei teuren Werkstoffen ein relevanter Posten. Vollmaterial, aus dem eine große Bohrung herausgedreht wird, verursacht zusätzlich lange Zerspanungszeiten; hier ist Rohr als Halbzeug oft günstiger.
Werkzeugseitig arbeitet das Drehen überwiegend mit Wendeschneidplatten. Die Werkzeugkosten je Bauteil sind dadurch gut kalkulierbar, steigen in zähen Werkstoffen wie austenitischem Edelstahl oder Titan aber deutlich, weil die Standzeit je Schneide sinkt. Ein Drehzentrum mit Gegenspindel spart dagegen das manuelle Umspannen für die Rückseite samt zugehöriger Rüst- und Handlingzeit — der höhere Stundensatz kann sich dadurch je Teil sofort amortisieren.
Was ein belastbares Angebot braucht
Ohne Bauteildaten bleibt jede Stundenangabe eine Zahl ohne Aussage. Für eine verlässliche Kalkulation gehören in die Anfrage:
- Zeichnung mit Toleranzen und Rauheitsangaben, idealerweise zusätzlich eine STEP-Datei
- Werkstoff und gewünschte Halbzeugform (Stange, Rohr, Guss- oder Schmiederohling)
- Stückzahl je Abruf und voraussichtlicher Jahresbedarf
- Gewinde, Nuten, Querbohrungen und sonstige Fräsanteile
- Nachbearbeitung, Oberflächenanforderung sowie Prüf- und Dokumentationsumfang
- Wunschtermin und Verpackungsanforderung
Erst daraus ergibt sich, welche Maschine wirtschaftlich passt — und damit ein belastbarer Stückpreis.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stundensatz hängt vor allem von der Maschinenklasse und deren Automatisierungsgrad ab.
- Stangenmaterial macht die Materialkosten planbar; Einspannende und Abstechbreite sind Verschnitt.
- Eine Gegenspindel übernimmt die Rückseitenbearbeitung ohne manuelles Umspannen.
- Aussagekräftig ist der Stückpreis bei definierter Losgröße, nicht der Stundensatz.
Weitere Fragen dazu
Ist CNC-Drehen günstiger als CNC-Fräsen?
Bei rotationssymmetrischen Teilen fast immer. Die Drehmaschine trägt Material im Dauerschnitt ab und braucht weniger Aufspannungen. Sobald ein Teil überwiegend prismatisch ist, kehrt sich der Vorteil um.
Warum ist mein Drehteil aus Edelstahl deutlich teurer als aus Aluminium?
Austenitischer Edelstahl leitet Wärme schlecht ab, ist zäh und neigt bei zu kleiner Zustellung zum Kaltverfestigen. Nötig sind deshalb deutlich geringere Schnittgeschwindigkeiten als bei Aluminium; Bearbeitungszeit und Werkzeugverschleiß steigen. Dazu kommt der höhere Materialpreis des Halbzeugs.
Wie stark sinkt der Stückpreis bei größerer Losgröße?
Am deutlichsten wirkt der Sprung von wenigen Stück auf ein echtes Los, weil Programmierung und Rüsten sich dann verteilen. Ab da bewegen sich vor allem noch Bearbeitungszeit und Materialeinsatz, sodass weitere Mengensprünge den Stückpreis nur noch moderat senken.
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