Fertigungsverfahren II: Gewinde, Feinbearbeitung, Erodieren
Was ist der Unterschied zwischen Bohren, Senken und Reiben?
Bohren erzeugt die Bohrung aus dem vollen Material und ist ein Schruppverfahren. Senken bearbeitet den Bohrungsrand oder erweitert die Bohrung — es entstehen Fasen, Kegelsenkungen für Senkschrauben oder plane Auflageflächen. Reiben ist die Feinbearbeitung: Es bringt eine vorhandene Bohrung auf Passungsmaß, verbessert Rundheit und Oberfläche, ändert aber die Lage nicht.
Passende Leistungen
Drei Schritte einer Prozesskette
| Verfahren | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bohren | Loch aus dem vollen Material erzeugen | grobes Maß, raue Oberfläche, Verlaufneigung |
| Senken | Bohrungsrand formen oder Bohrung erweitern | Fase, Kegel- oder Flachsenkung, plane Auflage |
| Reiben | vorhandene Bohrung auf Maß bringen | Passungsbereich IT7, glatte Oberfläche |
Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Gesenkt wird meist nach dem Bohren und vor dem Reiben, weil die Fase die Reibahle sauber einführt. Wird zuerst gerieben und danach gesenkt, kann der Senker die fertige Passungsfläche beschädigen.
Was Senken alles umfasst
Der Begriff ist weiter gefasst, als er zunächst klingt. Gebräuchlich sind vier Anwendungen:
- Kegelsenken: erzeugt die konische Anlagefläche für Senkschrauben. Für metrische Senkschrauben ist der Senkungswinkel 90 Grad; Zentrierbohrungen nach DIN 332 arbeiten dagegen mit 60 Grad.
- Flach- oder Plansenken: schafft eine plane, rechtwinklige Auflagefläche für Schraubenkopf, Scheibe oder Mutter — wichtig, wenn die Rohteiloberfläche schräg oder gekrümmt ist.
- Profilsenken: erzeugt Absätze und Freimachungen, etwa für Zylinderschrauben, die versenkt liegen sollen.
- Entgraten: die kleine Fase am Bohrungsein- und -austritt, die den Grat entfernt und Verletzungen verhindert.
Ein verwandter Begriff ist das Aufbohren: Hier wird eine vorhandene Bohrung mit einem mehrschneidigen Werkzeug vergrößert. Das verbessert Rundheit und Geradheit deutlich gegenüber dem Bohren aus dem Vollen und ist meist der Zwischenschritt vor dem Reiben.
Wann welcher Schritt nötig ist
Für ein einfaches Durchgangsloch für eine Schraube genügt Bohren plus Entgratsenkung. Erst wenn die Bohrung eine Funktion erfüllt, kommen weitere Schritte dazu.
Eine Passbohrung für Bolzen, Passstifte oder Lagersitze verlangt die vollständige Kette: zentrieren, vorbohren, auf Reibmaß aufbohren, senken, reiben. Jeder Schritt hat eine Aufgabe — das Zentrieren legt die Lage fest, das Aufbohren erzeugt eine runde Vorbohrung mit definierter Zugabe, das Reiben liefert Maß und Oberfläche.
Auf der Zeichnung sollte deshalb stehen, was funktional gefordert ist, nicht welches Werkzeug einzusetzen ist: Toleranzfeld, Rauheitsangabe, Form- und Lagetoleranz und der Kantenzustand. Wie der Fertiger das erreicht, entscheidet er anhand von Werkstoff, Stückzahl und Maschine — bei Einzelteilen ist Zirkularfräsen oft wirtschaftlicher als eine Sonderreibahle.
Das Wichtigste in Kürze
- Bohren schruppt, Senken formt den Rand oder erweitert, Reiben bringt auf Passungsmaß.
- Gesenkt wird vor dem Reiben — die Fase führt die Reibahle sauber ein.
- Metrische Senkschrauben brauchen 90 Grad, Zentrierbohrungen nach DIN 332 dagegen 60 Grad.
- Auf die Zeichnung gehört die geforderte Funktion, nicht das einzusetzende Werkzeug.
Weitere Fragen dazu
Warum wird vor dem Bohren zentriert?
Der Wendelbohrer beginnt mit der Querschneide, die nicht schneidet, sondern drückt. Ohne Vorzentrierung wandert er deshalb aus und die Bohrung sitzt neben der Sollposition. Ein kurzer, steifer Zentrier- oder NC-Anbohrer erzeugt eine definierte Anfangsvertiefung, in der sich der Bohrer sofort fängt.
Was ist der Unterschied zwischen Senken und Ansenken?
Beide meinen dasselbe Verfahren, aber unterschiedliche Absichten. Senken bezeichnet die Bearbeitung allgemein, einschließlich Kegel- und Flachsenkungen für Schraubenköpfe. Ansenken meint umgangssprachlich die kleine Entgratfase am Bohrungsmund, die keine Anlagefunktion hat und nur Kanten bricht.
Kann man eine Bohrung ohne Reiben auf H7 bringen?
Ja, mit Ausdrehen oder Zirkularfräsen im Bearbeitungszentrum. Beide bestimmen die Lage über das Werkzeug oder die Bahn und lassen sich über die Radiuskorrektur nachjustieren, was bei Einzelteilen ein Vorteil ist. Reiben bleibt in der Serie schneller, weil es in einem Zustellschritt fertig ist.
Verwandte Fragen
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