Defence-Beschaffung vertieft
Was ist der Unterschied zwischen AQAP 2110, 2120, 2130 und 2210?
Die AQAP-Dokumente sind NATO-Anforderungen an die Qualitätssicherung bei Verteidigungsaufträgen. AQAP 2110 deckt Entwicklung, Konstruktion und Produktion ab und ist heute das maßgebliche Vertragsdokument. AQAP 2120 beschränkte sich auf die Produktion, AQAP 2130 auf Prüfung und Test; AQAP 2210 ergänzt AQAP 2110 um Anforderungen an Software.
Passende Leistungen
Die Systematik der AQAP-Reihe
AQAP steht für Allied Quality Assurance Publications. Die Dokumente werden im Rahmen der NATO-Standardisierung herausgegeben und über Vertragsklauseln für einzelne Beschaffungen verbindlich gemacht. Sie sind keine Zertifizierungsnormen im Sinne einer freiwilligen Managementnorm, sondern vertragliche Anforderungen des Auftraggebers.
Unterschieden wird zwischen Dokumenten mit vertraglichem Charakter und reinen Leitfäden. Alle Anforderungsdokumente setzen ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem voraus; die ISO 9001 ist dabei die übliche Grundlage, auf der die AQAP-Anforderungen aufsetzen.
Die vier Dokumente im Vergleich
| Dokument | Abgedeckter Umfang |
|---|---|
| AQAP 2110 | Qualitätssicherung für Entwicklung, Konstruktion und Produktion — der breiteste Anwendungsbereich |
| AQAP 2120 | Qualitätssicherung nur für die Produktion, ohne Entwicklungsanteil |
| AQAP 2130 | Qualitätssicherung nur für Prüfung und Test |
| AQAP 2210 | Zusatzforderungen zur Softwarequalitätssicherung, stets ergänzend zu AQAP 2110 |
Die Reihe wurde überarbeitet: Die enger gefassten Dokumente 2120 und 2130 stammen aus älteren Ausgaben und sind in der aktuellen Übersicht der gültigen AQAP nicht mehr eigenständig geführt. Ihr Inhalt ist in der Neufassung der AQAP 2110 aufgegangen.
Was das für einen Zulieferer bedeutet
Praktisch heißt das: Wer heute einen Vertrag mit AQAP-Bezug erhält, findet dort in der Regel die AQAP 2110 — bei Softwareanteilen ergänzt um AQAP 2210. Ältere Verweise auf 2120 oder 2130 tauchen noch in Bestandsverträgen und Lieferantenvorgaben auf; im Zweifel sollte man die genaue Ausgabe und Version beim Auftraggeber abfragen.
Die Anforderungen betreffen typische Themen der Nachweisführung: Konfigurations- und Änderungsmanagement, Rückverfolgbarkeit, Lenkung von Unterauftragnehmern, Prüfmittelüberwachung, Behandlung fehlerhafter Produkte, Aufzeichnungen und der Zugang für die staatliche Güteprüfung. Ein Betrieb mit gelebtem Qualitätsmanagement erfüllt vieles davon bereits, muss es aber belegen können.
Das Wichtigste in Kürze
- AQAP-Dokumente sind vertragliche NATO-Anforderungen, keine freiwilligen Managementnormen.
- AQAP 2110 deckt Entwicklung, Konstruktion und Produktion ab und ist heute maßgeblich.
- AQAP 2120 und 2130 waren enger gefasst und sind in der Neufassung aufgegangen.
- AQAP 2210 ergänzt AQAP 2110 um Anforderungen an Software.
Weitere Fragen dazu
Kann man sich nach AQAP zertifizieren lassen?
Die AQAP-Anforderungen wirken über den Vertrag; zusätzlich bieten Zertifizierungsstellen Prüfungen des Qualitätsmanagementsystems gegen diese Anforderungen an. Ob ein solcher Nachweis verlangt wird, gibt der Auftraggeber vor — verbindlich ist immer die Klausel im konkreten Vertrag.
Reicht eine ISO-9001-Zertifizierung aus?
Als Grundlage ja, als vollständiger Nachweis meist nicht. Die AQAP-Dokumente fordern zusätzliche Elemente, etwa zur Konfigurationsführung, zur Behandlung von Abweichungen und zum Zugang staatlicher Güteprüfer. Diese Punkte müssen im Managementsystem ergänzt werden.
Was ist die AQAP 2070?
Sie beschreibt den NATO-Prozess der gegenseitigen staatlichen Güteprüfung. Damit kann ein Land die Güteprüfung bei einem Lieferanten im Auftrag eines anderen Landes durchführen — praktisch relevant, sobald international beschafft wird.
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